| Unterm Pantoffel - Teil 1 | Katalog |
Leseprobe »Unterm Pantoffel« Teil 1
»Mademoiselle«, fuhr ich dazwischen, »ich
begreife Sie nicht. Mein Vater schickte mich her, weil ich für die Schule
zu schwach bin!«
»Und zu ungebärdig für zu Hause. Zu unanständig! Zu neugierig
zu erfahren, was junge Damen unter den Unterröcken haben!« Ich errötete
»Ja! Ich weiß alles. Der Unterrock will jetzt seine Rache haben.
Knien Sie sofort zu meinen Füßen nieder«, sagte sie, indem
sie sich in ihrem Sessel aufrichtete, »und halten Sie die Hände auf
den Rücken.«
Elise schnürte mir meine Arme mit zwei Riemen
so zusammen, daß sich die Ellbogen fast berührten. Ich wand mich,
um loszukommen, aber Elise drückte mich nieder. Ihr von der Anstrengung
gerötetes, lächelndes Gesicht sah sehr hübsch aus. »Fester«,
sagte Mademoiselle. »Rück ihn jetzt ganz nahe an mich heran. Gib
diesen Gürtel um seinen Leib und befestige rückwärts seine Knöchel
daran, daß er nicht aufstehen kann. -Jetzt, mein Herr«, fuhr Mademoiselle
fort, »sind Sie in der rechten Verfassung, um Prügel zu empfangen,
und Sie sollen sie haben. Sie haben sich wegen der Briefe unverschämt benommen.«
Klaps, klaps, ging's auf beide Wangen. Wie diese weichen, süßen Hände
Schmerz zu bereiten wußten! »Sie wehren sich dagegen, eine Gouvernante
zu haben. Sie wehren sich gegen die Oberherrschaft des Weibes, gegen den Pantoffel«
— bei jedem Teile der Aufzählung erhielt ich zwei Backenstreiche
-, »ich werde Sie schon eines Besseren belehren. « Ich hätte
nie geglaubt, daß solche zierlichen Händchen so zuschlagen können.
Zuletzt ward mir ganz schwindlig! Ich merkte kaum, wie sie mir die Hände
zum dankbaren Küssen anbot. »Und jetzt, Julian, werden Sie Ihrer
Beinkleider beraubt werden. Die Hosen machen Sie nur widerspenstig und ungezogen
und lassen Sie eine Miene lächerlicher, unberechtigter Überlegenheit
zur Schau tragen. Wir müssen ein Mädchen aus Ihnen machen. Anschließend
wirst du dich mit einem Unterrock über deinem Kopf bis zur Beendigung des
Unterrichts in den Winkel stellen. Um halb zwölf Uhr, Julian, wird
Elise dich in mein Schlafzimmer führen, wo ich deinen Hinteren ausklopfen
will, so schneidig, wie nur je der Hintern eines Mannes mit der Rute behandelt
worden ist.«
Da hat sich der junge Herr
Julian ganz schön was eingebrockt: Statt auf die Universität gehen
zu dürfen, muß er sich unter die Knute der »Weiberherrschaft«
begeben...
Neuauflage des Klassikers von 1893 — mit einem Nachwort von Arne Hoffman.