| Das CAGLIOSTRO-Lesebuch | Katalog |

DIE BLOSSLEGUNG (oder: weibliche
Dominanz)
Natürlich empfängst
Du auch männlichen Besuch. Einer Deiner Freunde ist ein besonders
gutaussehender, muskulöser Mann mit angenehm sonnengebräunter
Haut. Er nennt sich Raoul. Ich habe Dich ja oft genug mit jenen besonders
maskulin wirkenden Prachtexemplaren von Männern zusammenstehen
und flirten sehen, offenbar ist das der Typ, auf den Du besonders abfährst,
eben jener Typ, neben dem sich ein Durchschnittsmann wie ich ohnehin
schon leicht minderwertig vorkommt. Dieses Gefühl steigert sich
natürlich, wenn man nackt zu Deinen Füßen kniet, während
er Dir stolz und aufrecht gegenübersitzt und aus seiner Verachtung
mir gegenüber keinen Hehl macht.
"Und er macht wirklich alles für dich, was immer du willst?" will
er wissen.
"Was immer mir gerade in den Kopf kommt. Er gibt mir sogar Geld dafür,
daß ich ihn mißbrauchen darf. Größere Summen."
Raoul schüttelt ungläubig den Kopf. "Und warum, um alles in
der Welt, sollte jemand so etwas Abartiges tun? Erlaubst du ihm, es
dir zu besorgen, wenn er besonders brav und gefügig war?"
"Mach keine schlechten Witze", erwiderst Du, sichtlich verärgert.
"Ich, mit dem da?" Du wirfst einen verächtlichen Blick in Richtung
Fußboden und schüttelst dich vor Ekel. "Na ja, wenn ich in
besonders guter Stimmung bin, erlaube ich ihm, sich vor meinen Augen
einen runterzuholen. Er macht ein so herrlich dämliches Gesicht,
kurz bevor er am Kommen ist, das ist einfach zum Schießen. Willst
du's sehen?" "Was??"
"Klar. Er ist doch mein Sklave, oder?" Und zu mir gerichtet: "Hast du
nicht gehört, Blödmann? Los, wichs dir mal einen ab vor meinem
Freund hier!"
Ich gehorche, wie immer. Selten fiel mir das so schwer wie in diesem
Augenblick.
Nachdem dies getan ist, kettest Du mich irgendwo an und ziehst dich
mit Raoul in Dein Schlafzimmer zurück. Raouls Stöhnen und
Deine Lustschreie klingen in meinen Ohren. Er zeigt Dir offensichtlich
gerade, was ein richtiger Mann ist, im Gegensatz zu mir.
An einem weiteren Nachmittag hältst Du mich die ganze Zeit über
in Deiner Wohnung gefangen, den Fußknöchel gefesselt an ein
Heizungsrohr. Du bist so sorgsam darauf bedacht, mir genug Flüssigkeit
zum Trinken dazulassen, daß ich schon mißtrauisch werden
sollte. Aber das wird mir erst klar, als der Druck auf meine Blase zu
steigen beginnt und von Dir immer noch keine Spur zu sehen ist. Endlich,
gegen ein Uhr nachts, höre ich, wie sich Dein Schlüssel in
der Wohnungstür dreht.
Du bist etwas erbost darüber, daß ich das Wasser, das Du
mir eigens zurückgelassen hast, noch nicht ganz ausgetrunken habe,
und wirfst mir vor, gegenüber Deiner gutmütigen Fürsorge
undankbar zu sein. Ich versuche, Dir klarzumachen, daß ich ganz
furchtbar dringend auf die Toilette müßte, aber du hast nicht
die geringste Lust, mir zuzuhören. Statt dessen zwingst Du mir
auch die restliche Flüssigkeit noch den Rachen herab. Dann knebelst
du mich, fesselst mir die Hände auf den Rücken, strafst mein
flehendes Wimmern mit einem Blick voller Verachtung und gehst zu Bett.
Ich winde mich den Rest der Nacht schwitzend auf dem Fußboden.
An Schlaf ist selbstverständlich nicht zu denken.
Als Du am folgenden Morgen sehr spät aufstehst, hoffe ich, endlich
erlöst zu werden. Es ist ein Irrtum. Zuerst steigst du unter die
Dusche, dann läßt du dich zu einem gemütlichen Frühstück
nieder. Ich kauere zu Deinen Füßen und rechne jeden Augenblick
damit, daß mir die Blase explodiert. Dann ziehst Du dich fertig
an und läßt auch mich Schuhe, Jeans und ein Shirt überstreifen.
Du stellst fest, daß mir der Schweiß inzwischen aus allen
Poren tritt, und bestehst darauf, daß ich noch ein weiteres großes
Glas Wasser trinke. Dazu nimmst Du mir den Knebel zwar aus dem Mund,
verbietest mir vorher aber, nur ein Wort zu sagen. Ich stehe kurz davor,
wahnsinnig zu werden. Du teilst mir mit, daß du wieder einmal
einen kleinen Einkaufsbummel mit mir machen möchtest.
Die Wiesbadener Innenstadt sprudelt an diesem Frühlingsmorgen von
entspannter Lebensfreude. Nur mir wird jeder Schritt unweigerlich zur
Qual. Du bist erbarmungslos und hetzt mich von Geschäft zu Geschäft.
Wir machen nur in einem Bistro eine kleine Pause, wo Du mir eine riesige
Apfelsaftschorle bestellst. Dann ziehen wir weiter. Der Druck in meinem
Inneren ist jetzt so unerträglich, daß ich schon absehen
kann, ihm nicht länger standhalten zu können. Auf dem Mauritiusplatz
triffst Du eine in ein schickes Kostüm gekleidete, attraktive Bekannte.
Du machst dir nicht die Mühe, mich vorzustellen, unterhältst
Dich mit ihr angeregt und lang. Ich trete von einem Fuß auf den
anderen, aber es hat keinen Sinn mehr. Ausgerechnet jetzt passiert es.
Heiß läuft die Flüssigkeit an meinem Bein herab, und
da ich keine Unterwäsche trage, bildet sich im Schritt meiner Jeans
ein immer größer werdender, deutlich sichtbarer Fleck. Wieder
einmal stöhne ich auf vor Scham.
Natürlich entgeht das Schauspiel auch Deiner eleganten Bekannten
nicht. Von einer Sekunde zur anderen starrt sie mich mit offenem Mund
an. Du stutzt bei diesem Gesichtsausdruck, fährst herum, auch Deine
Augen weiten sich, und dann gibst Du mir eine schallende Ohrfeige und
putzt mich in voller Lautstärke und in so geschickt gewählten,
verletzenden Worten herunter, daß diese Formulierungen nichts
anderes als sorgfältig durchdacht sein können. Ich stehe da
wie ein Trottel. Deine Bekannte wendet sich ab und eilt davon. Du jedoch
erklärst mir, daß Du nicht die geringste Absicht hättest,
Dir von meinem unmöglichen Betragen den Einkaufsbummel verderben
zu lassen, und schleifst mich weiter von einem Geschäft ins andere.
Einer ebenfalls etwas entgeistert wirkenden Verkäuferin in der
Parfümerie Douglas erklärst Du beiläufig: "Beachten Sie
ihn gar nicht. Mein Begleiter hat sich nur gerade in die Hose gemacht."
(aus: Die Bloßlegung)

DER SÜSSE GESCHMACK DER
MACHT (oder: männliche Dominanz...)
Was lebten wir doch
in einem großartigen Land! Das Spiel um Macht, Sex und Erniedrigung
bleibt unaufhörlich in Bewegung. Schon der Gedanke an die jungen
Mädchen, die sich auf dem sogenannten Immobilienstrich prostituieren
mußten, die gezwungen waren, ihrem künftigen Vermieter ihre
kleine Muschi scheinbar willig entgegenzuhalten, damit sie in der nächsten
Woche nicht auf dem nächsten Bahnhofsvorplatz übernachten
mußten, verursachte mir eine unglaubliche Erektion. Wir haben
die Macht, Gesetze zu erlassen und andere Menschen ihnen zu unterwerfen!
Man denke nur an die ganzen rassigen, exotischen Asylantinnen! Ich bin
überzeugt davon, daß es ihn gibt, den Beamten, der die Abschiebung
einer ihm gegenüber derart hilflosen Frau in die Folter nur dann
aussetzt, wenn sie dafür aus Dankbarkeit nackt vor ihm kauert und
eine Fellatio bei ihm ausführt. "Na, Ayshe, kleines Kurdenmädchen,
du hast die Wahl: Entweder du landest morgen früh auf dem Flughafen
von Ankara und erfährst ein paar Tage später, was richtige
Schmerzen sind, oder du erklärst dich bereit, ein kleines Spiel
mit mir zu spielen."
Ich riß mich aus meinen Gedanken. "Na, ist heute wieder mal eine
feministische Journalistin mit dem Gedemütigtwerden dran!?" Ich
lächelte voller Vorfreude.
"Nein, es ist die junge Hoerschelmann. Jedes Mal, wenn ich den alten
Herrn von Hoerschelmann in seinem Büro besuchte, wuselte da dieses
junge Ding um mich herum. Zum Sterben lange Beine, einen Rock, der nicht
einmal zur Mitte der Oberschenkel reichte, und ein Kostüm, das
ihre hinreißende Figur derart betonte, daß ich mich mehr
als einmal von Herzjagen und Atemnot bedroht sah. Und man mußte
ständig seine Finger bei sich behalten, das war das Schlimmste!
Irgendeiner Tippse hätte man ja wenigstens einmal auf den Hintern
schlagen können. Aber Sandra sollte ja einmal in die Fußstapfen
des Alten treten, sie war eine Akademikerin! Und wie spitzzüngig
sie sein konnte! Nun, das wird ihr heute abend ja vergehen."
"Wirklich?"
"Ja, wirklich. Der posthypnotische Befehl lautet, daß sie den
Ort dieser Veranstaltung vergißt, ferner, wer hier anwesend war
und worüber gesprochen wurde. Sehr genau wird sie sich an alles
erinnern, was sie für uns getan hat, daß sie in Hypnose jedem
unserer Befehle gehorchen mußte. Die Erinnerung an alle durchlittenen
Erniedrigungen wird sie für den Rest ihres Lebens nicht mehr verlassen,
und bestimmte Flausen wird sie sich deshalb nie wieder in den Kopf setzen,
nie wieder." (aus: Der Club der roten Lichter)
Die Homepage des Autors:
www.arnehoffmann.com