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Die romantische Nacht vor Silvester
»Ich habe mir nicht träumen lassen, daß mir
dein Keuschheitsgürtel so viel Macht verleihen würde
und daß mir das auch noch Spaß macht, wundert mich offen gestanden
noch mehr! Ich habe auf jeden Fall festgestellt, daß der Keuschheitsgürtel
dich mir gegenüber sehr viel aufmerksamer werden läßt. Du
hörst besser zu, du gehorchst mir besser, du erledigst deine Aufgaben
gewissenhaft
« Und plötzlich preßt sie ihre Schenkel
zusammen, so daß ich sie nicht mehr mit der Zunge erreichen kann, greift
in meine Haare und zieht sich daran hoch. Dann hebt sie meinen Kopf an meinen
Haaren an. Wir schauen uns tief in die Augen. »Du hast wohl gedacht,
ich merke nicht, daß du von den Aufgaben, die ich in dein Buch schreibe,
nur das erledigst, was dir angenehm ist? Das wird sich zukünftig ändern!
Dafür werde ich sorgen! Wenn ich zukünftig von der Arbeit komme,
zeigst du mir genau, welche von deinen Hausaufgaben du erledigt hast. Für
nicht erledigte Aufgaben werde ich dir jeweils fünf Hiebe in dein Buch
notieren. Das Reinigen deines Keuschheitsgürtels werde ich übernehmen.
Und wie ich heute erfahren habe, ist wohl eine regelmäßige Reinigung
unumgänglich. Das werde ich jeweils am Wochenende machen. Dann habe ich
genügend Zeit, mich ausgiebig mit dir zu beschäftigen. Ich werde
dir dann erst die bis dahin notierten Hiebe verabreichen und anschließend
den Keuschheitsgürtel öffnen und reinigen. Wir haben doch den Keuschheitsgürtel
angeschafft, damit er dich vom Masturbieren abhält. Das funktioniert
doch nur sicher, wenn ich die Schlüssel an mich nehme. Sex ohne mich
ist also nicht mehr drin. Aber das war ja auch mit dem Keuschheitsgürtel
beabsichtigt, wenn ich dich damals richtig verstanden habe, als du mir die
Anschaffung schmackhaft machen wolltest. Schau mich nicht so traurig an! Ich
bin ja kein Unmensch. Wenn du deine Hausaufgaben ordentlich und pünktlich
erledigst, gibt es auch gelegentlich Sex mit mir. Aber dabei werde ich dich
zukünftig fesseln müssen, denn anders bekomme ich dich wohl anschließend
nicht mehr unter Verschluß. Und das wäre doch zu schade
schließlich haben wir viel Geld für das gute Stück ausgegeben!
Nun bin ich aber erst einmal dran!« sagt sie, schiebt meinen
Kopf wieder zwischen ihre Schenkel und legt sich zurück aufs Bett. »Übrigens:
Die Hausaufgaben in deinem Buch, die du bisher so elegant ignoriert hast,
bleiben natürlich bestehen. Und morgen um 16.00 Uhr werde ich die erste
Kontrolle durchführen. Fünf Hiebe pro nicht erledigter Aufgabe hört
sich nicht nach viel an. Das können aber im Laufe einer Woche eine ganze
Menge Hiebe für dich werden. Außerdem werden die dann von der Sorte
sein, wie du sie heute bereits kennengelernt hast. So weit ich gesehen habe,
sind zur Zeit vierzehn Aufgaben zu erledigen. Das wird also heute eine sehr
arbeitsreiche Nacht vor Silvester für dich werden, und dein Hintern kann
sich in jedem Fall schon auf das nächste Wochenende freuen!«
(Aus dem »Tagebuch«)
Als ich mit meiner Hand wieder einmal an meinem Freudenspender so auf und ab reibe, kommt mir der Gedanke an Aladin mit seiner Wunderlampe. Er rieb an seiner Lampe, und plötzlich erschien ihm ein Geist, der ihm drei Wünsche gewährte. Einer meiner Wünsche könnte lauten: Bitte, lieber Geist, bitte befreie mich von meiner Onanie-Sucht! denke ich belustigt und reibe weiter.
Was zischt denn da? Ich lasse von meinem Treiben ab. Das ganze Zimmer ist plötzlich mit Rauchschwaden angefüllt. Es riecht seltsam. Brennt es etwa? Ich richte mich auf und sehe in die Dunkelheit des Raumes. Der Rauch leuchtet und nimmt mit einem Mal Gestalt an. »Wer bist du?« frage ich neugierig. »Ich bin die Fee der Keuschheit«, antwortet die Gestalt mit hell klingender Stimme. Das gibt es doch nicht! »Du hast mich gerufen hier bin ich! Du wünschst, daß ich dich von deiner Onaniersucht befreie! Dein Wunsch wird in Erfüllung gehen!« spricht die Fee mit salbungsvoller Stimme.
In spüre, wie sich eine Faust in meinen Unterleib bohrt. Ist es die Angst vor der seltsamen Erscheinung, bin ich im Begriff zu sterben, oder habe ich Wahnvorstellungen? Meine Hände versuchen, den Schmerz in meiner Bauch- und Leistengegend zu ertasten. Sie stoßen auf etwas sehr Hartes, Kühles. Es fühlt sich an wie Metall, wie Stahl, der sich um meinen Körper gelegt hat. »Was ist das?« schreie ich auf, winde mich auf dem Bett und versuche den Lichtschalter zu erreichen.
»Immer, wenn du es nicht lassen kannst, an dir herumzuspielen, wird sich dieser Keuschheitsgürtel um deine Lenden und deine Taille legen und verhindern, daß du dich selbst befriedigst«, sagt die Fee mit ihrer hellen Stimme. »Was?« rufe ich erschrocken, »das ist doch nicht wahr! Ich glaube, ich träume!« »Du hast mich gerufen und dir gewünscht, von dem Laster der Onanie befreit zu werden. Und ich bin gekommen, um dafür zu sorgen, daß dein Wunsch in Erfüllung geht!« antwortet die Fee etwas gereizt. »Du sollst aber noch einige Regeln erfahren, nach denen deine Keuschhaltung erfolgt, damit du weißt, wie du den Keuschheitsgürtel wieder zum Verschwinden bringst«, fährt sie feierlich fort. »Und ob!« sage ich. »Das ist doch hier wohl nur ein Scherz! Schnell heraus damit, wie ich dieses Ding wieder los werde, und dann kannst du für immer verschwinden!« schreie ich die Fee an.
»REGEL 1: Du mußt deiner Ehefrau wahrheitsgemäß berichten, wer dich in diesen Keuschheitsgürtel eingesperrt hat und warum es geschehen ist«, beginnt die Fee. »Die hält mich ja für verrückt! Also: Regel zwei?« will ich die ganze Story erfahren.
»REGEL 2: Nur die Hand deiner Frau kann den Keuschheitsgürtel zum Verschwinden bringen.« »Dann muß ich also zukünftig noch besser auf sie aufpassen. Ha ha! Und wie bringt sie das verflixte Ding zum Verschwinden?«
»REGEL 3: Der Keuschheitsgürtel verschwindet, wenn dir deine Frau mit diesem Klopfer« und sie hält ein schweres Holzpaddel in die Luft »50 kräftige Schläge auf das Gesäß und die Oberschenkel verabreicht.« »Was das ist doch nicht dein Ernst! Prügelstrafe im 20. Jahrhundert! Das kann ja heiter werden.«
»REGEL 4«, fährt die Fee fort »Noch mehr Regeln? Jetzt reicht es aber!« schüttele ich ungläubig den Kopf und nehme das schwere Holzgerät an mich. »REGEL 4: Die 50 Schläge müssen dir innerhalb von zehn Minuten von deiner Ehefrau verabreicht werden.« »Oh Gott, das wird ja das reinste Trommelfeuer geben!«
»REGEL 5: Die 50 Schläge müssen von deiner Ehefrau sehr kräftig ausgeführt werden. Andernfalls bleibt der Keuschheitsgürtel bestehen.« »Und was passiert dann?« frage ich neugierig.
»REGEL 6: Wurden die 50 Schläge nicht kräftig genug ausgeführt, so dürfen sie frühestens nach einer Stunde erneut verabreicht werden.« »Na, da wird sich meine Frau einen Spaß daraus machen und erst mal einige Stunden auf meinem Hintern üben. Ich hoffe, das waren jetzt alle Regeln.«
»REGEL 7: Wenn du oder jemand anderes versucht, deinen Keuschheitsgürtel mit Gewalt zu öffnen, so wird dir der Keuschheitsgürtel so lange fürchterliche Elektroschocks verabreichen, bis der gewaltsame Angriff endet und du dich wieder seiner Keuschhaltung unterordnest.« »Oh, das klingt aber nicht sehr freundlich! Du hast aber auch an alles gedacht!«
»REGEL 8: Dein Wunsch wird dir dein ganzes Leben lang von mir erfüllt. Ich werde also bis an dein Lebensende darüber wachen, daß du nicht onanierst.«
(Aus »Die Geister, die ich rief«)
Von der Umgebung bekam er in seiner vorgebeugten Stellung kaum etwas mit. Stattdessen mußte er sich darauf konzentrieren, daß ihm bei all den Richtungswechseln des flott bewegten Autos nicht schlecht wurde. Um Himmels Willen, worauf hab ich mich da bloß eingelassen? fragte er sich. Wie bin ich bloß hierher gekommen? Noch vor wenig mehr als einem halben Jahr war er ein simpler kaufmännischer Angestellter mit einem Teilzeitjob gewesen, eintönig, ohne Aufstiegsmöglichkeit, schüchtern, ohne die Gabe, Frauen anzusprechen, ohne jede Fähigkeit, zum beruflichen Aufstieg die Ellbogen anzuwenden und die Konkurrenten von der Futterkrippe wegzustoßen. Umso dankbarer war er gewesen, als ihn auf einer SM-Party damals eine dominante, aber freundliche Dame angesprochen hatte, Unternehmerin, wie sich im Gespräch herausstellte. So froh war er darüber, daß diese SM-Party mal ein bißchen mehr war als nur das für ihn übliche frustrierende Sich-am-Büfett-Sattessen und Anderen-bei-ihren-Aktionen-Zuschauen, daß es ihm ganz egal war, daß die Dame keine Anstalten machte, ihn anders zu »behandeln« als freundschaftlich. Obwohl eine natürliche Autorität hatte sie damals schon gehabt, bei der Gesprächsführung auf der Party, später bei ihr zu Hause, im Bett. Es war eine natürliche Überlegenheit und Führungsstärke, die ihm Sicherheit gab und ein Gefühl der Geborgenheit, die aber anfangs weit entfernt war von dem, was Otto Normalverbraucher sich unter SM vorstellte.
Inzwischen war der Wagen offenbar auf die Autobahn nach Brünn eingebogen und beschleunigte weiter. Seine Handgelenke und Schultern schmerzten immer mehr, und auch der stählerne Gürtel zwischen seinen Beinen machte sich in dieser vorgebeugten Haltung eher unangenehm bemerkbar. Unruhig rutschte er hin und her, wollte sich in eine etwas bequemere Position bringen, öffnete schon den Mund, um sich zu beklagen, da fühlte er schon den harten Griff seiner »Nebensitzerin« in seinem Haar. »Na, wollen wir schon wieder frech und aufmüpfig werden?« fragte sie ironisch, indem sie seinen Kopf schmerzhaft nach hinten hochzog, erkannte aber nach einem längeren prüfenden Blick, daß er wirklich litt. »Wenn du danach wirklich schön brav still hältst, stell ich dir die Handschellen ein Stück weiter«, sagte sie leise und nicht ohne Mitgefühl. Er nickte. Sie griff zu den stählernen Schmerzbereitern, es ruckte, es klickte, und mit Erleichterung verspürte er ein Nachlassen des schmerzhaften Drucks auf seinen Gelenken. Seinen dankbaren Blick gab sie ihm zurück mit der stummen, aber deutlichen Ermahnung, nun auch wirklich still und artig zu sein.
Still und artig und passiv, so hatte ihn seine Verlobte auch immer haben wollen. Bei ihr lernte er, sanft und passiv auf dem Rücken zu liegen und sich reiten zu lassen, den Willen aufzugeben, alles immer aktiv steuern zu wollen. Es geschehen zu lassen. Von einer verantwortungsvollen Vertrauensstellung in ihrer nächsten Umgebung hatte sie ihm erzählt eine Stellung, die sich schließlich als eine Kreuzung zwischen Butler, Privatsekretär und hier hatte er zunächst mit Entrüstung reagiert »Dienstmädchen« entpuppte. »Und das gefällt dir und deiner männlichen Würde natürlich überhaupt nicht«, hatte sie nur leise spöttisch gemeint und nach seinem hart gewordenen Schwanz gegriffen, der steif und in einem sonderbaren Kontrast von den Strapsen und Strümpfen abstand, die sie ihm ein erstes Mal probeweise übergestreift hatte. »Glaubst du wirklich, das sieht schicklich aus bei einem Dienstmädchen, wenn der Rock vorne so ausgebeult absteht?« Lachend hatte sie zum Telefonhörer gegriffen und Material über Keuschheitsgürtel bestellt, während er sich resigniert seufzend aufs Sofa plumpsen ließ.
(Aus »Hohe Mauern«)
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