| Die nette Marion | Katalog |
Rezension: SCHLAGZEILEN 93, Juli 2007:
SM-Stories vom feinsten und in jeder Konstellation
»Die
nette Marion« handelt nicht nur von dieser, sondern auch von jeder Menge
anderer Frauen, Männer, Sklaven und Tops. Carlos A. beschreibt in 14 Kurzgeschichten
eine große Bandbreite an Möglichkeiten, seine Lust auszuleben. Nicht
nur männliche Sklaven und weibliche Tops bevölkern sein Buch, auch
die umgekehrte Konstellation kommt nicht zu kurz.
Dabei
konzentriert er sich stets auf das Wesentliche: den SM. Außer in der Titelgeschichte,
die etwas länger ist als die anderen, bleiben seine Figuren sehr eindimensional,
reduziert auf ihre Sexualität.
Das ist wieder mal ein Buch für die Bahnfahrt oder den Strandkorb, leicht
zu lesen, mit netten Anregungen und oft über das allgemein gültige
SSC hinausgehend. Empfehlenswert für jeden, der es liebt, seine Phantasie
anregen zu lassen, um dann selbst weiter zu träumen ...
Inhaltsverzeichnis
Bahnfahrt
Fenster
Baumhaus
Gehorsam
Geschenk Café
Domina
Gewalt
Kriegsbeute Helga
Hure
Königin
Polizei
Die nette Marion
Leseprobe aus der Titelgeschichte (»Die nette Marion«)
Montag, 1.3.2002
14:00
From: deineHerrin@firemail.com To: Oliver.Bauer@rihalabs.de
Ich weiß, was du in
deinen Mittagspausen tust, Wichser!
14:15
From: deineHerrin@firemail.com To: Oliver.Bauer@rihalabs.
Willst du nicht antworten,
Wichser? In deinem eigenen Interesse?
14:22
From: Oliver.Bauer@rihalabs.de To: deineHerrin@firemail.com
Wer zum Teufel bist du?
15:30
From: deineHerrin@firemail.com To: Oliver.Bauer@rihalabs.
Du hast keine Fragen zu stellen,
Wichser. Und du wirst ab sofort keine Peepshow, keinen Sex-Shop und kein Domina-Studio
mehr betreten. Wenn du es doch tust, schicke ich dir die gesamte Firmenbelegschaft
samt deiner Frau hinterher. Was für ein Spaß! Ab jetzt übernehme
ich das Kommando über deinen Schwanz.
Deine Herrin
P.S.: Und ein bisschen mehr Respekt, wenn ich bitten darf! Ich habe dir nicht
erlaubt, mich zu duzen.
15:42
From: Oliver.Bauer@rihalabs.de To: deineHerrin@firemail.com
Na gut – bitte sagen
Sie mir, wer Sie sind! :-)
16:04
From: deineHerrin@firemail.com To: Oliver.Bauer@rihalabs.
Du hast den Ernst der Lage
nicht erfasst, Wichser. Ich rate dir gut, ein wenig vorsichtiger zu sein. Dein
Text hätte lauten müssen: Jawohl, Herrin!
Schau, ich weiß, dass du ein geborenes Sklavenschwein bist. Ich beobachte
schon lang deine diesbezüglichen Aktivitäten und weiß auch sonst
alles über dich. Wer ich bin, tut nichts zur Sache, aber du hast mehr Glück
als Verstand: Ab sofort musst du dir die Dienste deiner fallweisen Herrinnen
nicht mehr für teures Geld kaufen. Hier ist eine, die dich ganz gratis
vor sich kriechen lässt. Also sei gefälligst dankbar und ergreif die
Gelegenheit beim Schopf, Wichser.
Ich erwarte bis heute 17:30 Uhr deine demütige Bitte, mir als Lustobjekt
dienen zu dürfen. Andernfalls erfahren sämtliche Menschen in deiner
Umgebung noch heute von deinem geheimen Doppelleben.
Deine
Herrin
16:48
From: Oliver.Bauer@rihalabs.de To: deineHerrin@firemail.com
Wolfgang, bist du das? Wenn
ja, dann lass die Späße und klär mich auf. Ich schwitz schon
ganz schön :-)
16:58
From: deineHerrin@firemail.com To: Oliver.Bauer@rihalabs.
Du hast noch 32 Minuten Zeit,
Wichser!
Deine
Herrin
17:05
From: Oliver.Bauer@rihalabs.de To: deineHerrin@firemail.com
Das ist ein Fake. Ich lass
mich doch nicht verarschen.
17:09
From: deineHerrin@firemail.com To: Oliver.Bauer@rihalabs.
Noch 21 Minuten. Ich bin
ganz feucht bei dem Gedanken, dass du meinetwegen schwitzt, mein Süßer!
Deine Herrin
P.S.: Dich werd ich noch winseln hören, so oder so. Ich mach Ernst, verlass
dich drauf!
17:26
From: Oliver.Bauer@rihalabs.de To: deineHerrin@firemail.com
Also gut – ich bitte
Sie demütig, Ihnen als Lustobjekt dienen zu
dürfen.
Oliver
17:45
From: deineHerrin@firemail.com To: Oliver.Bauer@rihalabs.
Das geht noch besser. Bemüh
dich ein bisschen. Du kannst es doch.
Deine
Herrin
18:10
From: Oliver.Bauer@rihalabs.de To: deineHerrin@firemail.com
Meine Herrin, ich bitte Euch
demütig, mich als Lustobjekt in Eure Dienste zu nehmen. Ich habe nachgedacht
und will versuchen, Euch zu vertrauen. Verfügt ganz über mich, ich
erwarte Eure Befehle!
Oliver
18:15
From: deineHerrin@firemail.com To: Oliver.Bauer@rihalabs.
Willkommen im Sklavenleben,
Wichser! Da du fauler Sack den halben Nachmittag privat herumgemailt hast, wirst
du jetzt erst einmal Überstunden machen. Du kannst meine nächste Nachricht
gegen 21 Uhr erwarten. So lange bleibst du brav in deinem Büro.
Lass dir ja nicht einfallen, ohne Aufforderung deinen Schwanz in die Hand zu
nehmen!
Deine Herrin
… so fing es an. Es kann aber auch mal ganz anders anfangen, etwa in der Story »Gewalt«:
Seine
Lippen streifen schnell und leicht ihre Schläfe, eine sanfte Umarmung,
seine Hand kurz an ihrem Hintern, zärtlich und doch fest, sie schmiegt
sich an ihn, lässt ihn für einen Augenblick die harten Brustwarzen
unter der leichten Bluse, dem dünnen BH spüren. Es ist zwei Uhr morgens,
und die Funken fliegen seit Stunden. Die Frage »zu dir oder zu mir?«
steht zum Greifen nah im Raum.
Wohin also jetzt? Sie ziert sich plötzlich, hat noch nicht genug vom Nachtbummel,
will unbedingt noch irgendwo anders einen Schluck trinken.
Er
kennt sie schon lange, wollte sie schon immer. Selbst als er noch mit ihrer
besten Freundin zusammen war, dachte er öfter an sie, als es ihm gut tat.
Jetzt, nach der Trennung von Karin, hat sie sich endlich erweichen lassen, mit
ihm allein einen Abend zu verbringen, plaudernd, tanzend, heftig flirtend und
seinen bisweilen sehr eindeutigen Berührungen entgegen kommend.
Sollte es die Nacht der Nächte werden? Noch spielt er das Spiel aus Annäherung
und Verzögerung mit, ahnt doch, dass sie ihm sicher ist, dass sie am Ende
das Gleiche wie er will. Sein Unterleib pocht, seine Ungeduld steigt und allein
die Möglichkeit, dass sie nur mit ihm spielen könnte, lässt Aggression
in ihm aufsteigen. Dennoch erfüllt er ihr den kleinen Wunsch.
Eine kurze Fahrt, ein langer Kuss im Fond des Taxis, sie lehnt sich zurück,
schaut ihm in die Augen, leckt sich die Lippen, tastet nach ihren Brüsten,
streichelt sie. Sie ist heiß wie die Hölle, er liebt das Gefühl
ihrer Beine und der glatten, seidigen Strümpfe in seiner Hand, etwas höher
dann findet er nackte Haut und einen schmalen Streifen dünnen Stoffs, der
sich über pralle, weiche Lippen spannt, und das alles ist plötzlich
sehr, sehr feucht.
»Gib mir dein Höschen«, murmelt er in ihr Ohr. Sie löst
ihre Augen von ihm und begegnet dem Blick des Fahrers im Rückspiegel. Der
ahnt wohl, was sie hier tun, schaut aber sofort wieder diskret nach vorn auf
die Straße. Ist auch gut so, er denkt jetzt eher an eine andere Art von
Zusammenstoß. Er hilft ihr, das Höschen auszuziehen, lässt es
in seiner Hosentasche verschwinden. Den Rock bis fast zu den Hüften hochgeschoben,
liegt sie halb in seinen Armen.
Der Wagen hält vor einem kleinen Lokal, schnell ordnet sie ihre Kleider,
nur die Möse bleibt nackt unter dem Rock.
Der Raum, den sie betreten, ist leer, keine Gäste mehr außer ihnen
beiden, ein müder, gelangweilter Kellner sammelt Aschenbecher ein und stellt
Stühle auf die Tische. Offensichtlich irritiert registriert sie den abgetretenen
Holzboden, die verschlissenen Möbel, die Barhocker mit den billigen Plastiküberzügen.
Sie ist eindeutig Besseres gewohnt. Was soll das? Warum bringst du mich gerade
hierher? fragen ihre Augen, aber sie sagt nichts. Vertrau mir, sagt sein Lächeln,
und sie lässt sich bereitwillig an die Theke führen, klettert auf
einen der Hocker und wartet ab.
Er tritt zur Seite, wechselt mit dem Kellner ein paar Sätze, die sie nicht
versteht. Zwei Drinks, ein sehr hohes Trinkgeld, sie runzelt die Stirn, ein
seltsames Glitzern in den Augen.
Mit anzüglichem Grinsen in ihre Richtung sperrt der Kellner die Tür
ab und verschwindet durch den schäbigen Perlenvorhang ins Hinterstübchen.
Man hört ihn dort rumoren, doch er kommt nicht wieder zurück.
Noch während sie miteinander anstoßen, ist seine Hand schon an ihrem
Schenkel, schiebt den Rock hoch, sie stellt ihr Glas ab, öffnet die Beine
und greift nach der harten Wölbung in seiner Hose. Ja, befrei ihn, er wartet,
denkt er noch, doch sie tut es nicht. Sie weiß doch, dass sie nur scheinbar
allein sind, dass der Kellner, dieser schmierige kleine Wicht, hinter seinem
Perlenvorhang steht und heimlich herauslugt. Dennoch ist ihre Schamlosigkeit
atemberaubend, sie dreht sich zu ihm, mit dem Rücken zum Perlenvorhang,
hilft ihm mit fliegenden Fingern, ihre Bluse zu öffnen und den BH einfach
nach oben zu schieben, er saugt sich an ihren Lippen, ihrem Hals, ihren Brüsten
fest, ihr schwerer Atem, die Bewegungen ihres Unterleibs, das alles sagt ihm,
dass sie längst so weit ist.
Sie fängt erst an, sich zu wehren, als er sie vom Hocker zerrt, herumdreht,
verlangt, dass sie sich über die Bar beugt, er will sie von hinten, die
Beine gespreizt, der Arsch ihm entgegengereckt. Sie versucht, ihn mit Kraft
von sich wegzustoßen, doch er ist stärker als sie und scheint mehr
als entschlossen zu sein.
»Hör auf«, bittet sie, »wir sind doch hier nicht allein!«
»Das ist mir egal«, erwidert er
ungeduldig. »Ich will dich jetzt. Sofort. Hier. Und wenn eine ganze Fußballmannschaft
zuschaut. Du hast mich lang genug hingehalten.«
»Nur über meine Leiche«,
keucht sie, »ich bin doch keine Nutte!«
»Das mit der Leiche kannst du haben«,
erwidert er trocken und dreht ihr grob die Arme auf den Rücken. »Hier
ist keiner, der dir hilft. Und wenn du keine Nutte bist – ich wüsste
nicht, wer dann.«
Sie spürt seine Entschlossenheit, seine
Kraft, begreift, dass ihm jetzt tatsächlich alles egal ist. Er lacht wild
über die plötzliche Panik in ihren Augen. Er schlägt sie ins
Gesicht, einmal, zweimal. Er bricht ihren Widerstand mit Gewalt, es ist längst
zu spät, ihn noch zu stoppen, das hätte die Schlampe früher wissen
müssen. Herumspielen, einen Mann heiß machen, sich dann auf den Schutz
der ohnehin kargen Öffentlichkeit verlassen, auf die Anwesenheit eines
Kellners, dessen Diskretion er sich längst gekauft hat …
»Nein«, keucht er noch, »so nicht, Schätzchen. Nicht
mit mir.« Und er packt sie im Nacken, drückt ihr Gesicht hinunter
auf den verklebten, nach Bier stinkenden Tresen. Ihr Hintern wackelt wild, er
findet den Eingang trotzdem. Ihr Widerstand erlahmt, sie ergibt sich in ihr
Schicksal, klammert die Hände um den Rand der Bar, ihre Titten baumeln
hilflos unter ihr, er hört sie schluchzen.
Mit sattem Schmatzen gleitet sein Ständer in das nasse Loch, er stößt
mit aller Grobheit zu. Sie keucht auf, versucht vergeblich, leise zu sein. Wozu
diese Verschämtheit? Ihr Beobachter weiß doch ohnehin, sie kann stöhnen,
keuchen, schreien sogar … Er schlägt sie hart auf die Arschbacken,
während er sie rammelt, sie wimmert laut, ihr Hintern wird heiß und
rötet sich unter seinen Schlägen, doch sie hat ihren Widerstand jetzt
aufgegeben, hat wohl begriffen, dass sie keine Hilfe zu erwarten hat.
»Schrei nur, Schlampe«, verlangt er, holt weit aus, drischt ein
weiteres Mal zu. Und sie schreit.
Ihr Höhepunkt kommt schnell, überraschend und dauert lange, der seine
nicht weniger heftig, ein paar langsame tiefe Stöße noch, dann liegt
sein Gesicht an ihrem Rücken, sie ist ganz schlaff, ihre Beine zittern,
seine Arme halten sie, sie versuchen gemeinsam zu Atem zu kommen.
Sie sieht ihn nicht an, als er ihr schließlich erlaubt, sich aufzurichten
und ihre Kleider zu ordnen. Das Dröhnen der Macht in seinen Schläfen
verebbt langsam, er fragt sich halbherzig, ob er ein schlechtes Gewissen haben
sollte ob der Vergewaltigung, denn wie immer man es dreht, es war eine. Aber
was will die geile Hure eigentlich? Immerhin ist sie dabei gekommen, auch wenn
sie sich dafür schämt, dieser Orgasmus war nicht gespielt.
»Fang jetzt bloß nicht an zu heulen«, sagt er mit trockenem
Mund und packt sie an der Schulter. »Schließlich hast du mich lange
genug provoziert. Setz dich hin und trink noch was, dann bring ich dich nach
Hause.«
Sie antwortet nicht, schüttelt nur wild
den Kopf und entzieht sich seiner Berührung mit einer angewiderten Bewegung.
Ihre Haare fliegen, er kann ihr Gesicht noch immer nicht sehen. Als sie wieder
manierlich auf ihrem Barhocker sitzt, die Bluse geschlossen, die Beine auch,
und mit noch immer gesenktem Kopf, erscheint wie auf Stichwort der Kellner.
Ein wenig erhitzt sieht er aus, sie dürften zu dritt gewesen sein in der
Ekstase.
Er ist verärgert, weil sie so herumzickt, und noch immer seltsam aufgeregt.
Er wünscht sie ein weiteres Mal zu demütigen, zieht ihr Höschen
aus der Tasche, schiebt es über die Bar hinüber zu dem Kellner, der
es hingerissen in Empfang nimmt und langsam auseinander faltet.
Jetzt erst hebt sie
den Kopf, lächelt ihn an, strahlend, Triumph in ihrem Blick.
»Karin hat nicht zu viel versprochen«, sagt sie leichthin. »Könnte
schon sein, dass ich mich wieder mal bei dir melde. Und jetzt sei so gut und
ruf mir ein Taxi.«
Plötzlich fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. Natürlich,
sie wollte das, genau das, von Anfang an. Sie wusste von dem bestechlichen Kellner,
von der Bar, von seinem Exhibitionismus, den Vergewaltigungs- und Missbrauchsspielchen,
das alles hat er auch schon mit Karin gemacht, das alles ist zwischen den Frauen
sicher tausendmal besprochen worden.
Sie hat den ganzen Abend lang nichts anderes getan, als ihn am Schwanz zu packen
und genau dorthin zu führen, wo sie ihn haben wollte. Wie konnte er so
blauäugig sein? Er hatte keinen Augenblick lang wirklich Macht über
sie.
Plötzlich ist er es, der sich missbraucht und vergewaltigt fühlt.
»Weiber …«, murmelt er überwältigt und schüttelt
den Kopf. Selbst wenn er seit Wochen nicht abgespritzt hätte, würde
eine eventuelle Erektion jetzt ernüchtert in sich zusammen fallen.
Dann steht der Kellner mit breitem
Grinsen an der Tür, um sie für seine späten Gäste zu öffnen,
hebt dabei ihr Höschen an die Nase und nimmt einen tiefen, genüsslichen
Atemzug. Ihnen allen ist klar, was er heute Nacht damit noch tun wird.
Ohne ihn eines Blickes zu würdigen, mit leicht geröteten Wangen, aber
ganz Dame, stolziert sie an ihm vorbei auf die Straße.