"Schulmädchenreport 1998 - very British: Die Muir Academy" STORIES

So verlief mein Entrée in eine der britischsten Institutionen, die unser nordwestlicher Nachbar zu bieten hat, die auf der ganzen Welt in ihrer Art wohl einzigartige „Muir Academy“. Eine Vorliebe für Rollenspiele im allgemeinen und für Schulspiele im besonderen sollte man schon haben, wenn man sich dorthin aufmacht, denn sonst dürfte es einem schwerfallen, einen ganzen Tag lang zu spielen, ohne ein einziges Mal aus der Rolle zu fallen. „Miss Prim“, die Direktorin, kennt nämlich ihre Pappenheimer und weiß so gut, wie wir alle es wissen sollten, wie breit der Graben zwischen Phantasie und Realität sein kann. Das Phänomen der „scene fatigueness“ ist ihr aus ihrer nunmehr zehnjährigen Praxis ebenso vertraut wie meiner noch etwas altgedienteren Stuttgarter Domina, die mir einmal sagte: „Viele stellen es sich so wahnsinnig geil vor, ihre Phantasien ununterbrochen mehrere Tage lang zu leben, die bezahlen dann viel Geld für drei Tage - und am Morgen des zweiten Tages sind dann 80 % von denen so erschöpft und haben so sehr die Nase voll, daß sie nur noch nach Hause wollen und den Rest ihres Geldes zurückverlangen.“ Goldene Erkenntnis. Mancher von uns sollte sie sich hinter die Löffel schreiben. Für das Spiel in einer Gruppe gilt das natürlich ganz besonders. Ein Spielverderber kann ja schließlich der ganzen Gruppe den Spaß verderben, sie zumindest kurzzeitig aus der mühsam aufgebauten und erhaltenen Illusion herausreißen - und deswegen sind die Aufnahmerituale der Muir Academy recht streng: Zuerst soll ein „Interview“ (siehe oben) klären, ob der Kandidat (oder die Kandidatin) überhaupt geeignet ist für den Gruppenunterricht. Ein Mann kann als Schulknabe oder als TV-Schulmädchen (wofür es dort die nette Bezeichnung „special girl“ gibt) die Akademie besuchen und eine Frau als Schulmädchen - in unserem gemischten Kurs gab es zwei echte Mädels, drei unechte und drei Schulknaben, darunter ein zerknitterter, magerer alter Engländer, der selbst im Alter noch etwas Pfadfinderhaftes an sich hatte, so daß er in der Schuluniform nicht albern, sondern im Gegenteil höchst passend bekleidet aussah. Das galt natürlich nicht für alle Teilnehmer. Insbesondere bei den meisten Transvestiten ist oft alle Liebesmüh vergebens: Sie wirken nicht sehr überzeugend. Wenn man alleine mit einer Domina spielt und dabei auf den desillusionierenden Blick in den Spiegel verzichtet, ist das nicht schlimm; derselbe TV wird sich aber vielleicht schwertun, in der Gruppe einen 70jährigen beleibten Arzt aus den USA, der trotz seiner Perücke und seines geblümten Kleides alles andere als überzeugend wirkt, als „kleines Schulmädchen von unter zehn Jahren“ (deshalb noch keine Uniform) zu akzeptieren. Den ersten Teil des Interviews absolvierte ich am Abend meiner Ankunft in einem Pub schräg gegenüber „Miss Prims“ Wohnhaus. In diesem ersten Teil des Interviews unterhielt ich mich - noch in meiner männlichen Alltagsidentität - vielleicht eine halbe Stunde lang mit der „Schulleiterin“; der zweite Teil folgte mit der eingangs geschilderten Szene - also bereits in der Schulmädchenrolle - am anderen Morgen: Fast drei Stunden lang mußte ich Testbögen ausfüllen und Fragen beantworten, in einem kurzen Aufsatz schildern, warum es mich verdientermaßen auf diese Besserungsanstalt verschlagen hatte, und natürlich wurde ich auch etwas versohlt, unvermeidlicherweise, denn niemand macht hier alles richtig. Dominante Männer können die Muir Academy übrigens auch besuchen, allerdings müssen sie dann eine devoten Partnerin mitbringen und werden an die „Kurse für Paare“ verwiesen, bei denen dann statt Miss Prim Sir Guy Masterleigh, ihr Ehemann, als männlicher „Headmaster“ der Schule vorsteht und bei denen das optimale Verhältnis von je einem „guardian“ (dominanter Partner) auf einen Zögling (devoter Partner) sicherlich einen optimalen Lernerfolg garantiert...
Endlich war ich für würdig befunden worden und durfte am übernächsten Tag an der eintägigen „Day School“ teilnehmen. Üblicherweise haben Neulinge zunächst an einer solchen eintägigen Veranstaltung teilzunehmen, bevor sie die richtig ausgedehnten „Muir Terms“ (drei Tage und vier Nächte) besuchen können, und die Teilnahme daran ist wiederum Voraussetzung dafür, eines der besonders strengen „Tutorien“ („Nachhilfeunterricht“ für diejenigen, die selbst durch die Strenge des normalen Schulbetriebs noch nicht gebessert werden konnten) besuchen zu dürfen. Man hält sich nicht sklavisch streng an diese Regeln - aber sinnvoll sind sie eben schon. Niemand soll überfordert werden; niemand soll aus der Rolle fallen oder vorzeitig abbrechen. Mit dieser Regel nimmt man es sehr streng: Wer einmal das Codewort „Pax“ („Friede“) benutzt hat, dessen Züchtigung wird sofort beendet - aber das Spiel insgesamt ist für ihn auch gelaufen, er muß den Raum verlassen und darf (zumindest für dieses eine gebuchte Spiel) nicht mehr wiederkehren. Ein richtiger Schuljunge kann seiner Lehrerin ja auch nicht einfach ein „Stopp!“ oder so zurufen, wenn diese es in seinem eigenen Interesse für richtig hält, ihn schmerzhaft zu züchtigen... Auch wenn man etwa vergessen hat, sein Auto draußen auf der Straße abzuschließen, muß sich etwas Glaubwürdiges einfallen lassen - etwa so: „Ma’am, mir fällt gerade ein, daß meine Mutter/Aufsichtsperson/Nachhilfelehrerin mir aufgetragen hat, ihr Auto zu verschließen, während sie nicht da ist, und ich habe es vergessen. Sie hat mir den Schlüssel dagelassen. Wenn etwas aus ihrem Auto geklaut wird, dann kriege ich wieder Haue. Darf ich rasch hinausgehen und das Auto abschließen, Ma’am?“ Wer sich dieser Mühe nicht unterzieht und einfach davon redet, er habe vergessen, sein Auto abzuschließen, der darf ‘rausgehen, aber nicht wieder ‘reinkommen - er hat die Todsünde begangen, alle anderen aus der Gedankenwelt des Spiels herauszureißen...
Zwei Tage nach diesem anstrengenden Interview traten sechs Schüler und Schülerinnen morgens pünktlich zum Unterricht an; nur zwei trotzten den pro Verspätungsminute drohenden zwei Rohrstockhieben mit einer telephonisch vorgebrachten aberwitzigen Entschuldigung von irgendwelchen Naturkatastrophen, die sie angeblich an einer rechtzeitigen Ankunft hinderten - ein Hinweis darauf, daß hier tatsächlich nicht alles so bierernst gemeint war, wie es zunächst (etwa beim Interview) den Anschein gehabt hatte. Aber da steht man der strengen Direktorin ja auch alleine gegenüber, ohne die solidarisierende Gemeinschaft anderer „Schüler“, die zu Streichen aufgelegt sind. Wirklich schien ich derjenige - pardon: diejenige - zu sein, die den ganzen „Unterricht“ am ernstesten nahm; wohl weniger deswegen, weil Deutsche angeblich weniger Humor haben als die Briten; eher schon deswegen, weil ich mit all den mir unbekannten, die Muir Academy oft nicht zum ersten Mal besuchenden Menschen erst mal warmwerden mußte, was bei mir immer ein Weilchen dauert; auch deswegen, weil man in einem neuen Kreis erst einmal abwarten und beobachten muß, um zu wissen, „wie der Hase läuft“, was man sich erlauben kann und womit man abstinken würde; hauptsächlich aber deswegen, weil es ohne sehr gute Englischkenntnisse nicht gerade leichtfällt, all den schnellen Wortwitzen der „native speaker“ zu folgen oder gar selbst witzig zu sein. Auch die Tests, die wir nacheinander absolvieren mußten, waren zum (kleineren) Teil nur für Muttersprachler des Englischen leicht zu knacken - was Miss Prim fairerweise bei der Anwendung des ehernen Grundsatzes „Last of the test - six of the best!“ berücksichtigte. Manchmal wurde der Raum zum Ausholen richtig knapp - schließlich mußten wir acht Schüler ja in demselben kleinen Raum in Miss Prims Privathaus Platz finden, der zwei Tage zuvor als der Direktorin Arbeitszimmer gegolten hatte... Mitunter reihte sich Züchtigung an Züchtigung (keine allzu streng, meist blieb es bei den obligatorischen sechs Hieben, und auch die nicht allzu doll), manchmal wiederum drohte der Unterricht im Chaos zu versinken (ganz wie so oft in heutigen Schulen), mitunter mußte Miss Prim ihre Stimme zu einem schrillen Crescendo steigern, um sich durchzusetzen (was bei mir aber den Respekt vor einer dominanten Person eher schmälert), es wurde richtig eifrig um die Anrechnung von Punkten und Fehlern debattiert, und Miss Prim wurde gezielt provoziert mit kleinen Streichen wie einem nach der Mittagspause versuchten „Streik“, Wasserpistolen, einer bei einer Züchtigung entblößten Unterhose mit der riesigen Aufschrift „world’s largest source of natural gas“ auf den Hinterbacken sowie einem zeitweise verschwundenen und durch Pornos ersetzten Strafbuch.
Apropos Strafbuch: Minutiös wurden alle nicht sofort geahndeten Vergehen darin verzeichnet, und alle darin mit ihrem Vergehen erwähnten Schüler - rund drei Viertel der Klasse - hatten am Ende des langen Schultages in der „defaulters parade“ zur Schlußabstrafung noch einmal im Klassenzimmer antreten - nachdem sie zuvor schweigend und mit im Nacken verschränkten Händen ermüdend lange in einer Schlange draußen vor der Tür zu warten hatten. Eigentlich hätten sie dabei von einem Präfekten oder einer Präfektin beaufsichtigt werden müssen, aber die gab’s ja nun mal nicht, da ich ja ausfiel - - aber der Reihe nach: Am späten Nachmittag hatten all die schriftlichen Arbeiten endlich ein Ende; schon hatte ich mich immer öfter gefragt, was ich eigentlich hier sollte: Über „Klassenarbeiten“ schwitzen und nicht wenig Geld (100 Pfund pro Tag und ebenso viel für das Interview) dafür bezahlen, hier an einem schönen Sommertag drinnen zu hocken und sich disziplinieren zu lassen - - aber endlich nahte ja das Ende, und Miss Prim zog die Schlußbilanz, wie sie aus dem Strafbuch hervorging. Und wahrhaftig: Ich war ein so artiges „Mädchen“ gewesen, daß ich darin nicht auftauchte. Was mich wiederum zur Rolle der Präfektin prädestinierte, auch wenn die halbe Klasse mir nun auf einmal irgendein Vergehen in die Schuhe schieben wollte. Plötzlich fand ich mich unerwartet in der Rolle der wenig beliebten Musterschülerin. Auf einmal erinnerte ich mich wieder daran, was Roald Dahl in seinem Erinnerungsbuch „Boy“ über wahrhaft sadistische Präfekten von anno dazumal geschrieben hat, auf einmal durchbrach die Wirklichkeit die geile Phantasie. Nein, so eine denunziationssüchtige, machtgeile, streberhafte Aufseherin wollte ich auf keinen Fall sein. Schon gar nicht als Deutscher über Engländer. Mich ekelte auf einmal vor dem Klischee des braven, nach oben buckelnden und nach unten tretenden autoritätshörigen Deutschen, obwohl die meisten Klassenkameraden das wohl nicht so gesehen hätten (vielleicht mit Ausnahme jenes ziemlich ungezwungenen, auf der anschließenden Party stets mit Höchstlautstärke rülpsenden und trotzdem nur scherzhaft-leise als „pig“ gerügten Stammgasts und SM-Heftchenautors, der in vorgerückter Stunde einen Sektkorken in meiner Richtung hochgehen lassen wollte - schließlich hätten die Deutschen im Krieg ja auch England beschossen... Diesen Grad von Ungezwungenheit wollte ich mir, wie gesagt, dann doch noch nicht erlauben, solange ich nicht wußte, wie viel speziell ich mir ungestraft herausnehmen konnte). Die Weigerung, Präfektin zu werden, genügte, um selbst in die sogar nach Ansicht der Direktorin elend lange Warteschlange der schlußendlich Abzustrafenden eingereiht zu werden. Beaufsichtigt wurden wir, da ja nun kein würdiger Kandidat für das Präfektenamt mehr da war, vom „Dienstmädchen“, einem in seiner Rolle sehr überzeugend aussehenden schlanken, großen Transvestiten, der an diesem einen Tag schon die dritte neue Dienstmädchenuniform angelegt hatte - und jedes Mal war es eine sehr hübsche gewesen! Aber den ganzen Tag echte Hausarbeit, ohne ein einziges SM-Spielchen - ich weiß nicht... Ich dankte einer weisen Vorsehung dafür, daß es im Mai nicht geklappt hatte mit dem dreitägigen „Muir Term“ oder gar einer dreitägigen Dienstmädchenfron während dieser Zeit. (Der „Muir Term“ im Mai war ein „very strict boys’ only tutorial“ gewesen, und ein dänischer TV war schneller bei der Bewerbung um den Posten der „maid“ gewesen als ich). Ich wäre nicht nur bald am Ende meiner Lust, sondern auch meines äußerst bescheidenen Hausfrauenlateins gewesen. Und vom Unterricht selbst, dem eigentlichen Kerngeschehen der Muir Academy, hätte ich nichts mitbekommen. Nein, diese dreieinhalbtägigen „Terms“ sind wirklich nur was für die ganz hartgesottenen Rollenspieler. In einem abgelegenen Haus irgendwo in den walisischen Bergen finden sie zwei Mal jährlich statt, mit „full staff“, also wirklich jenem Personal, das zu einer richtigen „boarding school“ gehört. Die Teilnehmer bleiben, wie gesagt, über mehr als drei Tage in ihren Rollen und der dazugehörigen Kleidung - da kann es schon mal vorkommen, daß eine Teilnehmerin auf dem Nachhauseweg in der Autobahnraststätte ihre Mahlzeit mit einem gehorsamen „thank you, Ma’am!“ entgegennimmt und anschließend ob dieses Rückfalls tief errötet...
Immer noch nahmen „Matron“ (eine Art gegenüber den Zöglingen dominante Hausdame und Aufseherin) und Miss Prim sich im Arbeitszimmer einen mißratenen Zögling nach dem anderen vor, viele Minuten dauerten die Moralpredigten und die (oft ein Vielfaches der magischen Zahl sechs betragenden) Hiebe. Ich kam billig mit nur einmal sechs Schlägen davon, schließlich bestand meine Sünde einzig aus der Verweigerung des Präfektenamtes, und außerdem wurde berücksichtigt, daß ich ein wenig „aus dem Training“ war; die Zeit, wo mich meine Stuttgarter Domina ins regelmäßige flagellantische Härtetraining genommen hatte, lag eben doch schon zwei Jahre zurück...
Endlich war es vorbei; nun blieb uns noch eine Stunde, bis um 7 Uhr abends das Barbecue, die Gartenparty, beginnen sollte, deren Teilnehmerkreis nicht ganz identisch mit dem der „Day School“ sein würde. Ich verwandelte mich in einen lederbehosten deutschen Schuljungen („I think your sister has been here this afternoon!“ amüsierte sich „matron“ auf der Party später; bei einem früheren „Muir Term“ hatte einmal eine Schülerin die Lederhosen eines Mitschülers gestohlen und sich angeeignet...) und begab mich zu einem erfrischenden Bierchen in den nahegelegenen Pub, in dem ich „Miss Prim“ zum ersten Mal gesehen hatte. Bald fand sich dort auch jener wohlhabende pensionierte Arzt aus den USA ein, der in der „Schulklasse“ als „junior schoolgirl“ im geblümten Kleidchen hinter mir gesessen hatte, und informierte mich für meine Weiterreise über die schönsten, romantischsten Sträßchen in Wales - und so kam es für uns beide nach ein paar Bierchen bzw. Whiskys auf nüchternen Magen zu einem schon recht fröhlichen Start ins abendliche Barbecue...
Überhaupt schien sich Miss Prims vorab mir gegenüber am Telephon geäußerte Meinung zu bewahrheiten, bei diesem Spiel handle es sich um „a game for the elite“. Beim Barbecue fragte mich zu vorgerückter Stunde ein Gast, ob ich nicht auch fände, daß der Mercedes 500 SL das beste Auto der Welt sei. Offenbar erwartete er von mir als Deutschem, daß ich derlei Dinge wüßte. „Weiß ich nicht, ich hab’ keinen!“ entgegnete ich achselzuckend. „Aber ich gleich zwei!“ strunzte mein Gesprächspartner.
Das Barbecue (das keineswegs immer am selben Tag stattfindet wie die „Day Schools“) war eine eigenartige Mischung aus ganz normaler Gartenparty und SM-Party. Es gab einerseits keinen Dresscode, und die Stimmung war sehr locker, man kam mit vielen Leuten ganz zwanglos ins Gespräch, aber andererseits kam kaum einer der anwesenden MasochistInnen unversohlt davon: Ich habe selten so viele (meist männliche) Hintern in sämtlichen Stadien der Hautrötung und der Verstriemtheit gesehen wie auf dieser Party. Natürlich wollte die „matron“ auch einmal sehen, wie es sich so auf einen krachledernen Hintern prügelt, und so bekam ich auch mein Fett weg. Diskret und stilvoll fanden die Züchtigungen im (wenngleich jetzt teilweise ausgeräumten) „Klassenzimmer“ bzw. „Arbeitszimmer der Direktorin“ statt, denn die Nachbarn sollten ja möglichst nichts mitbekommen. Auch während des „Unterrichts“ hatte Miss Prim mitunter vor disziplinarischen Maßnahmen angeordnet, die Fenster zu schließen...
Kühl war’s an diesem Barbecueabend, das englische Städtchen Hereford nahe der walisischen Grenze ist eben nicht Süddeutschland. Anscheinend hatte ich bei meinem Urlaub gerade die zwei einzigen wirklich heißen Wochen dieses deutschen „Sommers“ 1998 verpaßt - eine masochistische Meisterleistung besonderer Art. Aber so übel war das Wetter bei dem einwöchigen Herumstreifen in Wales, das ich mir anschließend noch gönnte, nicht, und etwas weniger Hitze ist beim Wandern und Autofahren ja ganz angenehm. Gegen zwei, drei Uhr war die Party allmählich zu Ende, und ich konnte auf dem Boden des „Klassenzimmers“ meinen Schlafsack ausrollen; etliche andere Partygäste übernachteten auch im Hause.
Summa summarum war’s ein interessanter SM-Aufenthalt und ein angenehmer Urlaub, trotz vieler kleiner Mißgeschicke (die aber alle nichts mit der Muir Academy zu tun hatten). Die englischen Grenzer scheinen übrigens aufgeweckte, interessierte Jungs zu sein: In Dover winkten sie mich links ‘raus und ließen sich von mir meine halbe Lebensgeschichte erzählen: Was für einen Job ich in Deutschland hätte, wo ich in England hinwollte („Zu Brieffreunden nach Hereford!“), wie lange ich schon im Besitz meines Autos sei und und und....
Nein, die Muir Academy kann man guten Gewissen empfehlen. Der „Academy Club“ bietet seinen Mitgliedern (die Mitgliedschaft für 25 oder 30 Pfund im Jahr ist Grundvoraussetzung für alles Weitere) nicht nur geilen „englischen Schulunterricht“, sondern er bietet in umfangreichen Prospekten auch allerlei Dinge zum Verkauf feil: Schuluniformen in Erwachsenengrößen zum Beispiel (es herrscht natürlich strenger „Dresscode“ beim Schulspiel!), verschiedenartigste Schlaginstrumente, darunter auch Rohrstöcke in allen Stärken bis hin zu jenem barbarisch dicken Prügelinstrument, das in der Strafjustiz Singapurs tatsächlich noch - oder wieder - eingesetzt wird (ich sicherte mir natürlich ein Exemplar), und natürlich Lesestoff in rauhen Mengen, von „richtigen“ Büchern (meist zugekauft) bis zu jenen dünnen Heftchen, die der Academy Club selber produziert. Inhaltlich dominieren Flagellantica, „Tiergeschichten“ (Ponygirls und dgl.) und Stories von und für die in unseren deutschen Sex-Shops zumeist recht stiefmütterlich behandelten Transvestiten. Allerdings muß der Besteller eine gewisse Hartnäckigkeit an den Tag legen, auf Enttäuschungen vorbereitet sein und sich am besten seine Bestellung noch einmal auf einem separaten Zettel notieren. Im Bestreben, ihren Mitgliedern möglichst alles zu bieten, übernehmen sich Miss Prim, Sir Guy und ihre (stets zu wenigen) Helfer und Mitarbeiter oft, und etliche der in den Prospekten beworbenen Bücher entpuppen sich dann als vorübergehend oder gar nicht mehr lieferbar, die Wochen vergehen, und wenn man sich nicht brieflich noch einmal in Erinnerung bringt, dann passiert schlimmstenfalls gar nichts mehr... Auf Gutscheine für vergriffene Bücher muß man gefaßt sein, und auch darauf, daß nicht immer alles so klappt, wie es vielleicht sollte - das sind aber auch die einzigen dunklen Flecken auf dem sonst insgesamt hellen Bild der Muir Academy, die kurz vor meinem Besuch mit einer anderen Party ihr zehnjähriges Jubiläum gefeiert hatte - eine „Akademie“, die als Freizeithobby ihrer beiden Betreiber begonnen hatte und schließlich zu deren Hauptberuf wurde.

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