| Das Netzwerk der Herrinnen | Katalog |
Dann wurde es Herbst, und eines Tages kamen wir zufällig auf das Netzwerk der Herrinnen zu sprechen. Sie grinste: »Ach, novalis, kein Mensch auf dieser Welt kann deine Stärken besser erkennen als ich, aber du bist und bleibst eine Sklavenseele. Aber ich verstehe das. Es gibt kein absolutes Vertrauen, und wer sich völlig unterwirft, wird immer eine gewisse Angst behalten. Er wird ein wenig paranoid sein und auf manche Späße sehr humorlos reagieren. Mit einem Wort: Es gibt kein Netzwerk der Herrinnen.«
Wirklich nicht?
All
meine Träume von der wundervollen Verbindung von Dominanz und Romantik konnte
ich mir abschminken. Ich hatte mich einer Herrin unterwerfen wollen, die bei
aller Härte zugleich zärtlich und liebevoll war und die mich mochte und
respektierte. Und nun war ich einer Neurotikerin in die Hände gefallen, die
ständig von irgendwelchen Morden schwadronierte und es zuließ, daß eine
Psychopathin wie Mechthild ihren gesammelten Männerhaß an mir ausließ.
Nachdenklich zog ich an meiner Zigarette.
Was waren mir meine großen, pubertären Liebestragödien damals
wichtig erschienen! Aber jetzt ging es – und daran bestand nicht der
allergeringste Zweifel – um nicht mehr und weniger als die Frage,
ob ich leben oder in nächster Zeit sterben würde. Würde ich
mich verführen lassen von herrlichen Sommertagen und malerischen Winterlandschaften,
von den Seen und Bergen südlich der Stadt und vom Lächeln hübscher
Frauen, die sanft und anschmiegsam waren – oder würde ich konsequent,
umfassend und kurz die dunkle Seite meiner Seele leben?
Hin-
und hergerissen zwischen Überlebenswille und der Suche nach der ultimativen,
absoluten Herrin erlebt der Sklave novalis alle Höhen und Tiefen, die
eine solche Beziehung mit sich bringen kann.
Mit seinem dritten Roman
erreicht Henri Arradon seine Meisterschaft. Verbunden mit Parodien auf die
scheinbar allwissenden und doch so blinden Fernsehkommissare, leuchtet er
die menschlichen Abgründe absoluter Herrschaft aus: »SM zieht
auch dubiose Persönlichkeiten an, da die Macht über Menschen einfach
verführerisch ist. Wo werden die Grenzen überschritten, wo mündet
Dominanz in Größenwahn?«
(aus einer Mail an den Verleger)