| Ringerinnen | Reportagen |
"Fachgerecht zerlegt"
Ein Treffen mit bärenstarken Frauen
Gehetzt sah sich der flüchtige Verbrecher auf dem weiträumigen Flughafengelände um. Die Verfolger kamen immer näher. Seine Gesichtszüge entspannten sich erst, als er die Verfolger zu Gesicht bekam. Es waren Verfolgerinnen. Und jetzt machte ihre Anführerin ihren Kolleginnen auch noch ein Zeichen, daß sie zurückbleiben sollten. Sein überlegenes Grinsen verstärkte sich. Wenn dieses Weibsstück von Kommissarin etwa glauben sollte, mit ihm ganz alleine abrechnen zu können, verschätzte sie sich aber ganz gewaltig. Wenn er der nachts in einer dunklen Toreinfahrt begegnen würde, würde er noch ganz andere Dinge mit ihr anstellen, ohne viele Umstände, ohne Gnade.
Mit dem Gefühl der Überlegenheit ließ er sich mit der Kommissarin auf ein Handgemenge ein - doch er mußte die Erfahrung machen, daß sie sich ihm geschickt immer gerade dann entzog, wenn er sie mit seinen überlegenen Körperkräften niederzwingen wollte. Wenn er aber fliehen wollte, zog sie ihn mit raschem Griff in den Kreis zurück, den ihre Kolleginnen bildeten, einen Ausbruch unmöglich machend. Langsam ließen seine Kräfte nach. Seine Abwehrversuche wurden immer schwächer, Sterne tanzten vor seinen Augen. Er hatte das Gefühl, daß sie mit ihm spielte wie eine Katze mit der Maus, ihn losließ und wieder ergriff, um ihre Überlegenheit noch mehr auszukosten.
Schließlich blieb er kraftlos stehen, am Ende, völlig ausgepumpt. Noch wenige Sekunden Kampf, und er würde kotzen müssen, das wußte er genau. Mit unendlicher Verachtung im Gesicht ergriff die Kommissarin seinen rechten Arm und drehte ihn langsam auf den Rücken, seinen schwachen Widerstand absichtlich langsam überwindend. Ein Knirschen von Metall, dann das unwiderstehlich kraftvolle Heranführen seines linken Handgelenks an das rechte, mit so sicherer, überlegener Kraft, als sei da eine unermüdliche Maschine am Werk, gegen die menschliche Muskelkraft eh nichts ausrichten kann. Das Gefühl ohnmächtiger Wut und Demütigung. Klick.
Nein,
ganz so war es dann doch nicht - obwohl die Damen ein Video in ihrem Programm
haben, das eine Terroristenszene beinhaltet, in der es wohl so ähnlich
wie oben beschrieben zugehen muß.
Wovon ich rede? Nun, von einer Gruppe äußerst muskelstarker Damen, alles begeisterte
Amateuer-Ringerinnen, die im Club Caprice eine Annonce geschaltet
hatten, die mein Herz sofort höher schlagen ließ: Mixed Matches
hieß es da. Live Ringen wurde einem da verheißen. Von uns
wirst du 'fachgerecht zerlegt' behaupteten die Iron Ladies
aus München kühn. Auch Boxen könne man - k. o. mit und ohne Handschuhe!
Domination, Humiliation - phantasy - also als Video! - or real!
Facesitting, scissors, pins, chocking... Latex-Leder, Fesseln, high heels, masked,
oben ohne, nackt oder.... Die verlockenden Möglichkeiten schienen gar
kein Ende mehr nehmen zu wollen, und ich geriet ins Träumen über dem gezeichneten
Bild einer kräftigen Frau, die scheinbar mühelos einen Mann bezwingt..... Diese
Amazonen warten auf dich: - und darunter eine kurze Liste: Von 19- bis
53jährigen Frauen, von 55 bis 74 kg Lebendgewicht war bei den allesamt über
1,70 Meter großen Amazonen so ziemlich alles vertreten.
Welcher Maso hat noch nie davon geträumt, von einer gutaussehenden Frau à la
Emma Peel gegen ernsthaften Widerstand besiegt und überwältigt zu werden? Von
einer physisch wirklich überlegenen Frau, die die Unterwerfung des Mannes
notfalls gegen dessen Willen erzwingen kann? Auch mir war die freiwillige Unterordnung
langsam ein wenig langweilig geworden, und so verabredete ich in einer Urlaubswoche
Ende Januar einen Termin mit einem der größten, schwersten und jüngsten Mädchen.
Ein Mann namens Erich war am Telephon, der die ganze Sache managte. 100,- DM
waren als briefliche Anzahlung fällig, dann nannte er mir die Adresse einer
Privatwohnung im Münchner Süden, in deren Wohnzimmer das Kampfereignis stattfinden
sollte.
Nein, Sex oder Masochismus oder dominaähnliche Dienste gebe es nicht, das wurde
gleich zu Beginn noch einmal deutlich klargestellt, obwohl oder gerade weil
die Ringerinnen und ihr Manager Erich genau wußten, welche Klientel
sie mit einer Annonce im Club Caprice ansprachen. Seit wann sie
dieses Geschäft denn schon betrieben und wie sie darauf gekommen seien, fragte
ich meine drei Gesprächspartner, bevor es zur Sache ging (außer meiner Amazone
und Erich war nämlich noch die Inhaberin der Wohnung anwesend, in der wir uns
befanden - natürlich alle beide Hobbyringer). Hilfesuchend sah sich meine junge
Sparringspartnerin bei meiner Frage nach Erich um, der aber auch nicht viel
mehr sagen konnte: Schon vor rund zwanzig Jahren, zu einem Zeitpunkt also, an
dem meine Kampfgegnerin fast noch in den Windeln gelegen haben mußte, sei er
auf die Idee gekommen, das Privathobby einiger Ringerinnen auf diese Weise zu
versilbern, und seither laufe das Geschäft gut.
Gar so bären- oder vielmehr bärinnenstark wie in der Reklame angekündigt war
die Dame dann allerdings doch nicht. Wiederholt gelang es mir, sie niederzuringen
und festzuhalten: Du mußt mir auch eine Chance geben! protestierte
sie einmal, als ich sie besonders sicher umschlungen hielt. Es sei denn,
du möchtest, daß wir beide hier bis zum Ende der Runde so liegenbleiben.
Allerdings merkte ich nach zwei oder drei Minuten heftigen Ringens in jeder
Runde, daß mein untrainierter Körper nichts mehr zuzusetzen hatte, während sie
noch über deutliche Reserven verfügte. Ich war erschöpft und wurde rasch matter,
während ihre Kräfte immer noch frisch und unverbraucht zu sein schienen. Meine
Abwehrversuche wurden kraftloser, und irgendwann gab ich's auf und ließ mich
von ihr besiegen. Ein bisserl enttäuscht war ich schon, denn so ganz hundertprozentig
echt war mein Widerstand am Schluß dann doch nicht mehr gewesen, und ich hatte
doch immer davon geträumt, gegen ganz, ganz echten Widerstand von einer starken
Frau besiegt zu werden
Nun laß dich doch endlich mal besiegen - du wehrst dich viel zu sehr!
Diese Worte Erichs waren ein Hinweis darauf, daß die meisten Klienten sich offenbar
recht willig besiegen ließen und nicht so wie ich das letzte an Widerstandskraft
einsetzten, das Ganze mehr als Show und Inszenierung ansahen. Laß dich
in dieser Runde doch mal so besiegen wie auf dem Schulhof, und sie sitzt dann
auf deiner Brust! schlug Erich vor, fast wie eine Regieanweisung (siehe
unten!); ich tat es - aber erst, nachdem ich wirklich erschöpft war und kaum
noch Widerstand leisten konnte.
Knieend gingen wir auf dem Wohnzimmerteppich aufeinander los; im Stehen anzufangen,
hätte wahrscheinlich damit geendet, Möbel oder Fensterscheiben zu zertrümmern,
von unseren Körpern ganz abgesehen. Ich trug nur eine Badehose, sie lediglich
Boxershorts. Und oben herum nichts. Boxen, an den Haaren ziehen und ähnlich
Unfaires hatten wir vorher ausgeschlossen. Nur reihenweise Ohrfeigen, wenn ich
machtlos am Boden lag, das machte ihr Spaß. So lange, bis ich aufgab - was sie
in diesem Falle gar nicht so schnell haben wollte: Weichei!
Eine Stunde dauerte das Ganze, und in diesem Zeitraum kämpften wir vier oder
fünf Runden - nur wenige Minuten jedes Mal, aber ich war am Schluß einer jeden
Runde immer so erschöpft und außer Atem, daß ich nicht mehr weit vom Erbrechen
entfernt war. Meine Gegnerin hingegen blieb ruhig und gelassen und trieb mich
mit spöttischen Worten zur nächsten Runde an - genau so, wie sie jedes Mal routiniert
Weichei! sagte, wenn sie als Siegerin auf mir saß. Das hörte sich
etwas angelernt an; man merkte genau, die versprochene humiliation
war ein wenig künstlich..... Auch als ich im Gespräch kurz auf die Sehnsüchte
und Träume vieler Masochisten zu sprechen kam, kicherte die junge Dame nur ein
wenig verlegen, geistig offenkundig meilenweit von jeder Szenezugehörigkeit
und jeder nichtringerischen Dominanz entfernt....
Billig war der Spaß nicht: Die 100 angezahlten DM gingen an die Dame des Hauses,
die ihre Wohnung zur Verfügung gestellt hatte, der Kampf ging dann noch mal
extra: 300 DM wären hier der Normaltarif gewesen, aber weil ich
mir gewünscht hatte, am Schluß noch die Hände mit Handschellen auf den Rücken
gefesselt zu bekommen, mußte ich noch einmal einen Hunderter zusätzlich berappen
für dieses Extra (die Schlösser der Fußeisen hatten sich leider
verklemmt und machten die Dinger für diese Session unbenutzbar -
schade).
Nein, das Extra gelang nicht vollkommen überzeugend. Eine echte
Polizistin wäre mit den Schlössern bestimmt routinierter umgegangen, und Emma
Peel hätte sich gewiß auch gegen noch kräftigeren Widerstand durchgesetzt....
Dann war es vorbei. Fast. Solange ich nämlich noch matt und gefesselt am Boden
lag, trat das aggressive Mädel immer noch einmal nach mir - was allerdings viel
weniger weh tat, als es dramatisch aussah. Macht sich halt einfach gut im Film.
Erich nahm nämlich sämtliche Runden auf Video auf - ohne Zusatzkosten für mich.
Allerdings warte ich jetzt, sieben Wochen später, immer noch auf die Kassette.
Ich muß mich dort mal in Erinnerung bringen - schließlich warten doch alle meine
Freunde schon auf den gemütlichen Videoabend.....
Schließlich stand ich wieder auf der Straße. Schneefall setzte ein. Auf der
Rückfahrt über Nebenstraßen der Schwäbischen Alb rutschte ich mit meinen Sommerreifen
im wörtlichen Sinne gerade noch so durch.... Meine Suppe konnte ich in der Autobahnraststätte
nur mit Schmerzen essen. Meine Zunge war verletzt. Das kampflustige Mädel hatte
sich einmal, als ich sie in meinen Griff zu nehmen drohte, nach hinten fallen
lassen und dabei mit den hochschnellenden Knien meinen leicht geöffneten Unterkiefer
getroffen. Ihr wäre dieser Fehler wahrscheinlich nicht passiert. Ihr guter Trainingszustand
zeigte sich nicht nur darin, daß sie nach der Session noch ziemlich frisch war,
sondern auch darin, daß sie die Aufschürfungen an Füßen und Knien vermieden
hatte, die ich mir bei dem wilden Hin- und Hergerutsche zugezogen hatte. Noch
tagelang später konnte ich nicht richtig laufen.
Mühsam humpelte ich wieder zum Auto zurück. Unglaublich, dachte ich,
jetzt nimmt sie sich den Nächsten auf dieselbe Art und Weise vor, ausgeruht,
unverletzt, mit derselben Kraft wie vorhin. Ach ja - vielleicht sollte man
doch mehr Sport treiben.
Rüdiger