| Wachs in Deiner Hand | Katalog |
Die »Seriendemütigerin«
»Es gibt wenig, vor dem Sie zurückschrecken, nicht wahr?«
»Sie wissen ja, weshalb ich hier bin. Vielleicht noch ein letztes
Beispiel, weil es mir gerade in den Kopf kommt. Einen Macker, der mir aus
irgendwelchen Gründen besonders unsympathisch war, kettete ich nicht
an mein Bett, sondern an den Kleiderschrank. Ich überprüfte, daß
die Fesselung auch dem stärksten Druck standhielt. Er konnte es kaum
erwarten, daß ich endlich loslegte, und sein praller Schwanz schien
förmlich auf mich einstechen zu wollen. Der junge Mann begann etwas
zu mosern, als ich ein Kondom hervorzog und es ihm trotz seines Protestes
mit einer entschlossenen Bewegung überstreifte. In diesem Augenblick
merkte er, daß ich das Innere des Kondoms mit Rheumasalbe bestrichen
hatte. Das Zeug brennt wie Tier! Und ab da ging der Tanz erst richtig los.
Ich aber zeigte mich sichtlich unbeeindruckt von seinen verzweifelten Schmerzensschreien,
legte mich rücklings und mit weit geöffneten Beinen auf mein Bett
und tat mir wohl. Er fluchte, schrie und zeterte. Als ich von dem Schauspiel
genug hatte, verließ ich das Bett, verschloß sichtbar die Schlafzimmertür,
öffnete aber die Flügeltür zur Terrasse. Es war hoher Winter,
draußen lag Schnee. Dann kettete ich den Mann los, wich seinem Schlag
aus und sah ihm nach, wie er nach draußen stürzte, sich das Kondom
vom Schwanz riß und verzweifelt versuchte, sein bestes Stück
mit dem Schnee abzukühlen. Er war so mit sich beschäftigt, daß
er erst viel zu spät merkte, daß ich die Tür wieder schloß
und den Rolladen herabließ. Die nächste Viertelstunde war der
Blödmann damit beschäftigt, in Eiseskälte um mein Haus herumzutanzen
und herumzubrüllen, während ich seine Frau anrief und ihr mitteilte,
daß sie diesen tobenden Irren da draußen doch bitte wieder abholen
solle.«
»Hm. Haben Sie nach solchen Aktionen eigentlich keine Angst, daß
einer von Ihren Opfern sich mal bei Ihnen revanchieren will? Sie verklagt
oder so was?«
»Die werden mich mit derselben Wahrscheinlichkeit verklagen wie Claire,
nachdem ich sie dabei filmte, wie sie ihren eigenen Bruder fickte. Ansonsten
treffe ich schon meine Vorkehrungen, keine Angst.«
»Immerhin sind Sie ja jetzt hier, weil Sie mit dem Gesetz in Konflikt
gekommen sind.«
»Ja. Aber ist das nicht absurd? Jahrelang kann ich den Männern
ungestraft alle möglichen Dinge antun, aber kaum mache ich mal etwas
Menschenfreundliches, werde ich von einem unserer Gerichte zu therapeutischer
Behandlung verknackt. Irgendwas läuft da doch ziemlich falsch.«
»Sie würden es also als eine durchaus positive Sache bezeichnen,
die Sie im Rahmen Ihrer Tätigkeit bei dieser Callgirl-Organisation
ausgeübt haben?«
»Aber natürlich. La Morte Dulci. Wenn die Leute doch sowieso
nicht mehr leben wollen, warum sollen Sie dann nicht mit einem guten Fick
sterben?«
»Soweit ich informiert bin, bot Ihre Organisation Selbstmördern
die Möglichkeit, in den letzten Minuten ihres Lebens noch einmal mit
einer attraktiven Frau zu vögeln, zum Beispiel mit Ihnen. Wie genau
darf ich mir das vorstellen?«
»Na ja, diese Aktion fand meistens am Rand von Hochhausdächern
statt, über Bahngleisen oder am Geländer von Autobahnbrücken.
Er steckt also in mir, den Oberkörper schon nach hinten gebeugt, über
der Tiefe. Seine Finger umklammern meine Handgelenke. In dem Moment, in
dem er abspritzt, läßt er los. Ganz einfach.«
»Stimmt es, daß man Ihnen vorgeworfen hat, bei Männern,
die auch nach dem Orgasmus noch krampfhaft an Ihnen festhielten, ein bißchen
nachgeholfen zu haben?«
»Das hat man mir nie beweisen können. Aber verarschen laß
ich mich natürlich auch nicht. Ein Deal ist ein Deal. Schließlich
wurde ich aus dem Erbe dieser Leute bezahlt. Das waren schon ganz schöne
Summen.«
»Und an irgendwelche LKW-Fahrer, denen ein paar von Ihren Männern
nackt von den Autobahnbrücken vor die Windschutzscheibe purzelten,
dachten Sie überhaupt nicht?«
»Doch, deswegen machten wir es ja meistens an Orten und an Zeiten,
wo nicht so viel Verkehr war.« Sie warf einen Blick auf die Uhr. »Aber
ich glaube, unsere Zeit ist für diesmal auch zu Ende.«
»Oh?« Ich war überrascht. »Aber das wäre sehr
schade. Jetzt, wo wir mitten im Gespräch sind ich würde
Ihnen gern noch ein bißchen zuhören. Von mir aus können
wir gerne überziehen. Ich habe jetzt direkt im Anschluß nichts
anderes vor.«
Sie lachte leise. »Sie möchten noch ein paar kleine Geschichten
hören. Aber ich kann Ihnen versichern, durch noch so langes und genaues
Zuhören werden Sie es nie verstehen. Sie müssen es tun. Sie müssen
bereit dazu sein, es selbst auf sich zu nehmen.«
Plötzlich war mein Mund sehr trocken. »Wie meinen Sie das?«
»Ziehen Sie sich aus.«
»Was? Jetzt? Hier? Ich kann doch nicht
«
»Natürlich können Sie. Und Sie werden. Ich versichere Ihnen,
daß ich die Situation auf so schäbige Weise ausnutzen werde,
wie ich mir nur vorstellen kann.«
Wird es die »Seriendemütigerin« schaffen, auch noch
diesen Arzt einzuwickeln und »rumzukriegen«, der sie eigentlich
psychisch behandeln sollte? (Aus der Story »Bettinas Sklaven«)
Ernst und Phantasie:
Eine weitere Methode, die die CIA im kalten Krieg bis zur Mitte der siebziger
Jahre angewendet hat, war das Schaffen sogenannter Sleeper-Agenten. Das
waren völlig normale Mitglieder der Bevölkerung, amerikanische
Durchschnittsbürger, die vom US-Geheimdienst einem speziellen Hypnoseprogramm
unterzogen wurden. Ab diesem Zeitpunkt brauchte man sie nur anzutelefonieren
und durch eine rhythmische Folge elektronischer Piepser sozusagen zu aktivieren.
Einmal auf diese Weise aktiviert, besaßen sie plötzlich ein vollkommen
anderes Gedächtnis und eine andere Persönlichkeit und konnten
von der CIA zu Spionagetätigkeiten eingesetzt werden. Der Witz bei
dieser Geschichte bestand darin, daß ein »Sleeper«, wenn
er im deaktivierten Zustand dem Feind in die Hände geriet, selbst unter
Folter nichts über seine Mission aussagen konnte, weil er sich an diesen
abgespaltenen Teil seiner Persönlichkeit einfach nicht erinnerte. Es
bereitet mir immer wieder ein wohliges Gefühl im Magen, wenn ich daran
denke, daß wir uns mit den Vereinigten Staaten in einer großen,
westlichen Wertegemeinschaft befinden. Nur die Erinnerung daran, daß
wir indirekt auch die Folterung von jungen Mädchen in der Türkei
unterstützen, macht meine Orgasmen intensiver.
Aber ich schweife ab. Wichtig ist, daß ich, sobald ich das Buch über
die Praktiken der CIA gelesen hatte, verschiedene Nachforschungen aufnahm
und einen Mann ausfindig machen konnte, der die soeben beschriebenen Hypnosetechniken
beherrschte. In seine Behandlung brachte ich Melanie. Als sie seine Praxisräume
verließ, konnte sie sich an nichts mehr von dem erinnern, was mit
ihr geschehen war, sondern hatte die künstliche Erinnerung eingepflanzt
bekommen, in einem Reisebüro gewesen zu sein, dessen Angebot ihr nicht
sonderlich zugesagt hatte.
Tage später bekam sie in ihrem Büro, das sie mit vier männlichen
Kollegen teilte, meinen Anruf. Die Übertragung der elektronischen Signale
funktionierte ohne Probleme. Sobald sie in Melanies Gehirn angekommen waren,
erhob sie sich von ihrem Schreibtisch, knöpfte ruhig und konzentriert
ihre Bluse auf und legte sie ab, ohne den verwirrten Blicken ihrer Kollegen
irgendeine Aufmerksamkeit zu zollen. Es folgte der Rock, ihre Strümpfe,
Schuhe und Unterwäsche. Als sie komplett nackt war, ging sie mit ihrer
Kleidung zum Fenster und warf sie hinaus, alles, als ob es das Natürlichste
von der Welt wäre. Sie trat zurück an ihren Schreibtisch, leckte
über ihren Mittelfinger und begann damit, unter lustvollem Stöhnen
ihre Klitoris zu streicheln. Als sich die meisten ihrer Kollegen erhoben
hatten und mit völlig konsterniertem Gesichtsausdruck auf sie zutraten,
dabei sinnlose Bemerkungen machten, ließ sich Melanie auf alle Viere
herab, kroch auf sie zu und begann, einem nach dem anderen die Schuhe zu
lecken. In diesem Augenblick betrat ich mit einem Formular in der Hand den
Raum, tat, als ob ich irgendein Kunde wäre, der eine Auskunft brauchte.
Obwohl sich Melanie mit keinem Teil ihrer Persönlichkeit an mich erinnern
konnte, hatte sie den posthypnotischen Befehl erhalten, sich bei meinem
Anblick in ihre ursprüngliche Persönlichkeit zurückzuschalten.
Völlig verwirrt kam sie zu sich und stellte fest, daß sie zwischen
ihren Arbeitskollegen splitternackt und mit heraushängender Zunge auf
dem Fußboden kauerte. Sie erschrak, ihr Gesicht verzerrte sich in
wildem Unverständnis, sie sah entsetzlich hilflos aus, bedeckte ihren
Körper, so gut es ging, mit den Händen und sah sich gehetzt nach
ihren Klamotten um, die nirgendwo zu entdecken waren. Sie flüchtete
sich auf einen Drehstuhl, zog die Beine an den Körper, ihr Gesicht
drückte noch immer absolutes Verstörtsein aus und
Moment.
Das ist mir überhaupt nicht wirklich passiert, das war in einem Film,
den ich mal gesehen habe. Natürlich, ich bin mir vollkommen sicher,
jetzt, wo ichs sage, weiß ich sogar wieder, welches Kino das
war. Wie konnte ich das nur durcheinanderbringen? Ich hätte schwören
können, daß
dabei ist die Vorstellung, daß ich so
diffizile Operationen durchziehen könnte, doch wirklich phantastisch.
Aber als ich es eben niedergeschrieben habe, war ich sicher
Sicher sein können Sie sich nie, was bei dem unvergleichlichen Cagliostro Phantasie ist und was Realität ... Lassen Sie sich auf wohlig gruselige Weise von Cagliostros Phantasiewelten gefangennehmen ....