| Des Widerspenstigen Zähmung | Katalog |

Teil I - Heidelberger Romanze
»Klick«
- wie alles begann
»Das empfinde ich genauso! Ich würde gerne mal ein Spiel in einem
Brautkleid machen«, erzählte sie mir.
»In einem Brautkleid?« Ich war zunächst verblüfft, doch dann
fiel mir ein Titelphoto eines Buches aus dem tschechischen OWK ein, das eine
herrische Braut mit Gerte neben ihrem frischgebackenen Ehesklaven zeigte, mit
Anzug und Krawatte, aber kniend, in Ketten und geknebelt.
»Ach so, du möchtest das also so machen, daß du eine Braut
spielst, die ihrem Mann von vornherein zeigt, wo’s langgeht?« fragte ich, noch
etwas unsicher.
»Genau! Gerade weil eine Braut normalerweise etwas völlig
Passives ist, reizt es mich, das einmal von einer ganz anderen Seite zu zeigen
- und zwar am liebsten in der Öffentlichkeit!«
Aus dem eingangs erwähnten Gespräch in der Karlsruher
»Kulturruine« wurde nach und nach eine obsessive Phantasie, die nach
Verwirklichung drängte, bei IHR noch weitaus mehr als bei mir, wie es sich
gehört für eine »Braut«, die sich anschickt, die Führungsrolle zu übernehmen …
»Sollen wir ein Brautpaar spielen, das erst noch auf dem Wege zum Standesamt
ist, oder eins, das schon getraut ist?« fragte ich sie. »Eins, das schon
getraut ist!« - »Ah so, wenn also schon alles zu spät ist?« - »Genau, wenn
alles zu spät ist!!« - und wenn ihm nichts anderes mehr bleibt als Unterwerfung
…
Klick.
Gesagt, getan.
Wenn Sie
wissen möchten, wie diese Idee realisiert wurde und wie ich als armer,
geknechteter Bräutigam in Heidelberg an der Leine geführt wurde
- lesen Sie es im Buch nach ...

Wo bleibt
sie denn nur so lange? Nervös blickte er
zum dritten Mal in fünf Minuten auf die Uhr und fragte sich wieder
einmal verzweifelt, warum um alles in der Welt Frauen nie rechtzeitig fertig
werden können. Ruhe, ermahnte er sich, Ruhe. Was sollen die
Gäste von einem so nervösen Bräutigam halten? Hatten
die anderen schon etwas von seiner Unruhe bemerkt? Das repräsentativ
eingerichtete Wohnzimmer und die großzügige, geräumige Diele
war gefüllt mit rund zwei Dutzend festlich-korrekt gekleideten Gästen:
befreundeten Unternehmern, Verwandten, Professoren, Juristen - kurz, seinem
engeren Freundeskreis. Gemeinsam wollte man von seiner Villa aus zum Standesamt
fahren, wo die weniger eng mit ihm befreundeten Gäste jetzt sicherlich
schon warten würden. Noch plauderten alle ungezwungen, gingen umher
und musterten einzelne besonders gediegene Stücke der ganz konservativ-bürgerlich
gehaltenen Einrichtung mit Anerkennung im Blick. Doch bald würden auch
sie unruhig werden.
Schon wieder waren zwei Minuten vergangen. Jetzt ertrug er
das Warten nicht mehr; eilig schritt er die breite, elegant geschwungene Treppe
hinauf und mußte sich zwingen, nicht zu rennen. Das Schlafzimmer lag am
hinteren Ende des Ganges. Ungeduldig riß er die Tür auf.
Seine Braut war fertig angekleidet. Sie nestelte nicht
nervös an irgendwelchen Details ihrer Kleidung, sie war nicht verschwitzt, sie
war die Ruhe selbst. Mit verschränkten Armen stand sie mit dem Rücken zum
Fenster, die Zimmertür im Blick. »Ah, komm ‘rein! Ich hab’ schon auf dich
gewartet!« Ihre Miene hellte sich zu einem strahlenden Lächeln auf, und sie
nahm die Hände zur Seite, stützte sich damit auf den Heizkörper. »Schick siehst
du aus in deinem Frack!«
»Wo bleibst du denn so lange? Wir sind
schon spät dran, und du stehst hier seelenruhig am Fenster und drehst
Däumchen!« Sie sah hinreißend aus in ihrem weißen, spitzenbesetzten Brautkleid,
doch bei aller Freundlichkeit lag in ihrem Ausdruck ein Zug von Willensstärke
und Entschlossenheit, der ihn aus Erfahrung davon abhielt, sie wütend
zurechtzuweisen. »Ach, ich wußte ja, daß du mich holen kommen würdest, Schatz.
Außerdem müssen wir da noch kurz was besprechen.«
»Besprechen? Jetzt??«
»Ja, jetzt. Gewisse Dinge stellt man besser von vorneherein
endgültig klar - bevor man sich endgültig bindet.«
Ganz ruhig bleiben, ermahnte er sich wieder. Hatte er nicht schon genügend
nervenaufreibende Verhandlungen mit schwierigen Geschäftspartnern zu einem
erfolgreichen Abschluß gebracht? Er würde auch diese Situation meistern.
Vorsichtig und ohne den Blick von ihrem Gesicht zu lösen, setzte er sich auf
das breite Ehebett, das sie erst vor zwei Wochen gemeinsam ausgesucht und
angeschafft hatten. Mit seinen verschnörkelten, glänzenden hohen Messingstangen
paßte es nicht ganz zu den anderen Möbeln, aber sie hatte hartnäckig auf diesem
metallenen Modell bestanden.
Sie setzte sich auf die gegenüberliegende Bettkante und
legte begütigend ihre Hand auf die seine. »Wir werden bestimmt auch gleich
fertig sein. Ich wollte dir nur kurz mitteilen, daß ich es mir anders überlegt
habe, was meinen Beruf betrifft. Ich möchte meine Tätigkeit als Lehrerin lieber
doch nicht aufgeben, sie bedeutet mir einfach zu viel.«
»Aber Liebling«, wandte er überrascht und unangenehm berührt
ein, »das haben wir doch schon x Mal besprochen, ich verdiene doch wirklich
genug Geld für uns beide, was sollen denn die Leute denken, wenn meine Gattin
nebenher noch-«
»Ich hab’s mir eben anders überlegt«, erwiderte sie
ungerührt und zog ihre Hand wieder zurück. »Ich habe gründlich über alles
nachgedacht, und da ist mir erst so richtig zu Bewußtsein gekommen, wie sehr es
mir Spaß macht« - sie wurde langsamer - »Kinder zu erziehen.« Die eindringliche
Art, in der sie die letzten Worte aussprach und ihn dabei ansah, ließ in ihm
plötzlich das beklemmende Gefühl aufkommen, als sei auch er selbst damit
gemeint. Einen Moment lang schwieg er wie gelähmt, dann schüttelte er die
unangenehme Empfindung ab und sagte ärgerlich: »Das können wir doch wirklich
nachher noch in aller Ruhe besprechen, jetzt gibt es Wichtig-«
»Es wird kein Nachher mehr geben, wenn du jetzt nicht
endlich ruhig bist und mir zuhörst«, korrigierte sie kühl. Der Schreck über
ihre Worte ließ ihn tatsächlich verstummen. »Na also. Ich hoffe, du bist dir
darüber im klaren, daß diese Entscheidung einige Konsequenzen haben wird. Wenn
ich weiter berufstätig bin, kann ich natürlich nicht so viel im Haushalt tun.
Wir werden also zu einer fairen Lastenverteilung kommen müssen: Du die Hälfte,
ich die Hälfte - da wir ja beide berufstätig sind.« - »Natürlich kannst du von
mir Putzhilfen bekommen, so viele du willst«, versicherte er hastig, »das ist
doch gar kein Problem! Und jetzt laß uns…« - »Das meine ich nicht!« unterbrach
sie ihn scharf. »Wirst du mich gefälligst ausreden lassen! Ich meine keine
bezahlten Frauen, sondern dich!« Er wurde rot. »Aber Liebling, das geht doch
nicht, dafür habe ich doch gar keine Zeit!«
»Dann wirst du dir diese Zeit eben nehmen.« Sie stand vom
Bett auf und lehnte sich wieder an die Fensterbank, verschränkte die Arme und
sah kühl auf ihn herab. »Alles kannst du auch als Chef nicht delegieren - deine
Büroarbeit vielleicht, aber nicht mich!« - »Aber natürlich nicht, an den
Abenden werde ich nur für dich da-«
Mit einer Geste des Unwillens schnitt sie ihm das Wort ab.
Auf einmal konnte er sich vorstellen, wie sie allein durch eine solche Geste
eine tobende Schulklasse zur Ruhe brachte. Eine Geste, die nichts Gutes
verhieß, ebenso wenig wie ihr Gesichtsausdruck. »Hör zu: Ich möchte mein Leben mit
dir verbringen. Ich habe keine Lust, hier allein zu Hause im goldenen Käfig
zu sitzen und darauf zu warten, bis mein Göttergatte vielleicht mal spät abends
endlich Zeit und Lust hat, hier zu erscheinen und mir gnädig ein klitzekleines
bißchen von seiner kostbaren Zeit zuzuteilen, das bißchen, das ihm seine vielen
Termine und Geschäftsreisen übrig lassen - wenn es überhaupt Geschäftsreisen
sind!« Ihr Ton wurde schärfer. »Oder wie war das vor zwei Wochen mit der Tagung
in Baden-Baden?« - »Wieso, w-was soll da gewesen sein?« stotterte er und
fühlte, wie er noch röter wurde, »das war eine ganz normale Tagung, nichts
weiter - au!!«
Mit zwei Schritten war sie auf ihn zugetreten und hatte ihm
eine geklebt, die erste Ohrfeige, seit er zwölf oder dreizehn Jahre alt
geworden war. »Lüg mich nicht an!« zischte sie ihm ins Gesicht. »Eine Tagung
war es natürlich, aber mit einem höchst attraktiven Beiprogramm in Gestalt
deiner neuen Praktikantin.« - »Das ist nichts Ernstes, wirklich nicht, glaube
mir!« beschwor er sie in Panik. »Das ist…« - er suchte nach Worten - »…das ist
eben einfach so passiert!« - »Einfach so!« Spöttisch lächelte sie ihn an. »Das
passiert also einfach so, ohne daß einer der Beteiligten es will. Ah ja.
Interessant. Man könnte meinen, man habe es mit unmündigen Kindern zu tun, die
nichts alleine entscheiden können.« Ihr Grinsen verstärkte sich, als sie mit
ihrer rechten Hand seine elegante Hose öffnete und in den offenen Latz
hineingriff. »Laß das!« sagte sie scharf und gab mit ihrer Linken seinem
rechten Handrücken einen kräftigen Klaps, als er zu einer Abwehrbewegung
ansetzen wollte. »Das gehört jetzt mir«, sagte sie wollüstig, als sie seine
Weichteile in der Hand hatte, »mir ganz allein. Niemandem sonst. Haben
wir uns verstanden?« Ihre Stimme wurde gefährlich leise, und sie erhöhte und
verringerte den Druck auf seine kostbarsten Teile mehrmals, verbat sich aber
seine Abwehrversuche energisch durch eine ruckartige Geste. Beinahe wehrlos
stand er vor ihr. Er war in ihrer Hand. Genüßlich spielte sie mit den
Piercings, die er sich auf ihr hartnäckiges Bitten und Betteln dort hatte
setzen lassen. Dort sieht sie ja keiner, war immer ihr stärkstes
Argument gewesen. Als er seine Hände endlich resigniert zu beiden Seiten seines
Körpers fallen ließ, holte sie mit ihrer freien Hand aus ihrem Handtäschchen
einen Gegenstand hervor, wendete ihn vor seinen Augen, weidete sich an seiner
Verblüffung. Ein knallrotes Vorhängeschlößchen in Herzform, geschmückt mit den
Initialen R. S.. Ihren Initialen. Voll Vergnügen ließ sie den kleinen metallenen
Gegenstand in seinem Hosenlatz verschwinden. Der elegant gekleidete Verlobte
hörte ein Klicken und spürte einen leichten Zug an seinen edelsten Teilen. »So,
mein Lieber, und der Schlüssel bleibt bei mir.« - »Du hast vergessen, daß deine
Initialen bald R. B. lauten werden«, wandte er müde ein. »Hab ich nicht«,
hauchte sie ihm freudig ins Gesicht, als teile sie ihm eine freudige
Überraschung mit. »Du wirst auf dem Standesamt laut und vernehmlich allen
mitteilen, daß du aus Liebe zu mir meinen Familiennamen annehmen wirst.
Du kennst doch sicher den alten Schlager ›Er gehört zu mir wie mein Name an der
Tür…‹« Sie summte voll Begeisterung die Melodie. »Aber-« setzte er murmelnd zu
neuem Widerspruch an, bevor sie mit einem Kuß seinen Mund schloß. Sie stand
jetzt hautnah vor ihm, ihre Lippen auf den seinen. Ihre Brüste streiften ihn,
ihre rechte Hand steckte immer noch in seinem Hosenlatz und knetete seine
Weichteile. Etwas wollte sich regen, wurde aber sofort von metallenen Fesseln
schmerzhaft gebremst. »Natürlich kann dein Unternehmen weiterhin wie bisher
heißen«, sagte sie großzügig.
Plötzlich wurde hinter ihnen die Tür aufgerissen. »Also hier steckt ihr, hab’ ich mir doch beinahe schon gedacht!« Es war sein ältester und bester Geschäftsfreund, der hereinplatzte, aber schon nach zwei Schritten innehielt und den Blick auf die halb heruntergerutschte Hose des Bräutigams und die darin steckende Hand der Braut richtete. Die Braut lächelte bestrickend. »Schon gut, wir kommen gleich. Ich muß nur noch rasch eine Kleinigkeit an seiner Hose nähen.« Sie blinzelte ihm verschwörerisch zu, bis auf seinem Gesicht ein schelmisches Grinsen erschien. »Ich verstehe.« Er machte kehrt und schlug die Tür wieder hinter sich zu.
»Wir werden ein wundervolles Leben haben«, fing sie wieder
an, bevor er auch nur ein Wort sagen konnte. »Ich liebe dich nämlich wirklich.
Und was man liebt, muß man sorgfältig bewachen und bewahren. Du wirst einen
Teil deiner Arbeit in der Firma an andere delegieren, du wirst jeden Nachmittag
beizeiten - sagen wir: um vier Uhr - hier erscheinen, und dann werden wir in
Haus und Garten arbeiten, uns unterhalten und abends vielleicht ausgehen. Du
weißt schon: ›Einer trage des anderen Last.‹ Nachher in der Kirche wirst du’s
noch mal hören. Und denk immer daran: Wenn ich zu viel Hausarbeit machen muß,
dann bin ich abends immer schreeeecklich müde. Und dann hab’ ich üüüüüberhaupt
keine Lust mehr auf Sex.« Mit einem sardonischen Lächeln knetete sie seine
gebundenen Genitalien. Plötzlich ließ sie ihn los und schien sich an etwas zu
erinnern. »Ach ja - daß du wegen deiner Untreue eine kleine Strafe verdient
hast, siehst du hoffentlich selber ein. Wenn nicht, gibt’s einen kleinen
Zuschlag.« Sie bückte sich, zog einen langen, dünnen Rohrstock unterm Bett hervor
und legte ihn auf die Kissen.
Au (Hinter-)Backe
- das wird ein schmerzhaftes Erlebnis für ihn werden! Lesen Sie mehr
in unserem bewegenden Buch! ;-)

»The show must go on« - ein echter Knüller
Ein letztes Zupfen an den Manschetten und Frackschößen, ein zufriedener Blick in den Spiegel in der Eingangshalle, aus dem ihm ein verdammt gutaussehender Mann mit selbstbewußtem Gesichtsausdruck entgegenblickte - ja, heute war sein großer Tag! Stolz wölbte sich seine Hemdbrust, und ein Gefühl von Glück und Erfolg durchströmte ihn wohlig, als er seine Augen langsam durch den prächtig dekorierten Saal und die allmählich hereinströmenden illustren Gäste wandern ließ. Hier ein Aufsichtsratsvorsitzender, da ein Chef eines der größeren Adelshäuser - er kannte sie alle… »Traumhochzeiten«, Vernissagen, diplomatische Empfänge: Überall war er als führender Gesellschaftsreporter Gast gewesen - wegen seiner scharfen Zunge nicht immer ein gern gesehener Gast, aber akzeptiert. Die kennen doch alle das Spiel und wissen, daß sie ohne uns nichts sind. Was im Mittelalter echte Verehrung für echte Autorität und Macht war, ist heute doch das skandalgeile Interesse einer klatschsüchtigen Öffentlichkeit. Ohne die Yellow Press, auf die sie unentwegt schimpften, wäre doch die ganze haute volée im Bewußtsein der Öffentlichkeit längst zu einem Nichts geschrumpft. Voller Genuß betrachtete er das allmähliche Eintreffen hoher und höchster Würdenträger und Adelssprößlinge mitsamt ihrer edel gewandeten, hocheleganten Frauen und Töchter. Eine der hübschesten Töchter des Hochadels würde heute ihr Jawort einem überaus gutaussehenden Bürgerlichen mit besten Aussichten geben. Eine Traumhochzeit, die überall Beachtung finden wird. Normalerweise hätte er sich jetzt - zumindest im Geiste - schon eifrig Notizen gemacht, seinen Photoapparat gezückt, wäre innerlich voller Unruhe gewesen. Heute nicht. Wieder durchströmte ihn ein Glücksgefühl wie eine heiße Woge. Heute war er die Hauptperson. ihm würde Gunthild von Schefferstein heute Treue und Gehorsam geloben, die einzige Tochter des alten Grafen und sein Ein und Alles.
Na,
wenn das mal nicht ganz anders ausgeht - vielleicht so?:
